Es ist der 6. Juni 2001: Unzählige Pakete voller Kokain werden an den Strand der Azoren-Insel São Miguel gespült. Eigentlich sollte ein Schiff die Drogen von Südamerika nach Europa bringen – doch es geriet in Seenot. Auf São Miguel liegt die Geschichte bis heute wie ein Fluch.

Zwanzig Jahre ist es nun her, dass sich das Leben auf São Miguel mit einem Schlag veränderte. Viele Menschen suchten damals ihr Glück, sie sammelten die angeschwemmten Pakete auf und wurden reich. Andere Bewohner stürzten die Drogen ins Unglück.

"Die meisten waren erstmal völlig überfordert von der Situation."
Oliver Neuroth, ARD-Korrespondent in Madrid

ARD-Korrespondent Oliver Neuroth hat sich auf Spurensuche begeben. Er erzählt, dass manche in dem Fischerort Rabo de Peixe dachten, es handele sich bei dem weißen Pulver um Mehl, mit dem sie ihren Fisch panierten.

"Viele haben auch mal probiert – auch größere Mengen – und kamen dann mit Überdosis ins Krankenhaus."
Oliver Neuroth, ARD-Korrespondent in Madrid

Auf rund 40 Millionen Euro wird der Schwarzmarktwert der Kokain-Pakete geschätzt. Einige in dem eher armen Ort versuchten sich als Dealer.

Auf Rabo de Peixe lastet die Geschichte schwer

Die Drogen-Schwemme hat den kleinen Fischerort in zwei Lager gespalten, erzählt ein Bewohner der Insel: in diejenigen, die dadurch reich wurden – und andere, die bis heute drogenabhängig sind.

"Die Drogen waren eine Geißel und haben Rabo de Peixe nur Schlechtes gebracht."
Fischer Alvaro Correia

Der Drogenschmuggler, der seine heiße Ware damals wohl absichtlich über Bord warf, um nicht erwischt zu werden, wurde später verhaftet, brach aber aus dem Gefängnis der Inselhauptstadt Ponta Delgada aus. Gut zwei Wochen lang war er auf der Flucht, dann fasste ihn die Polizei wieder.