Weddellrobben sind echte Rekordmeister im Tauchen. Diesen besonderen Skill geben sie ihrem Nachwuchs schon mit der Muttermilch weiter.

Sie kann eineinhalb Stunden unter Wasser bleiben, dabei etliche Kilometer zurücklegen und bis zu 600 Meter tief tauchen: die Weddellrobbe. Das Unterwegsein im kalten Wasser der Antarktis ist für die etwa 400 Kilogramm schweren Meeressäuger ein Leichtes. Dort leben sie überall am Rande des Packeises.

Die Fähigkeit, lange und tief zu tauchen, geben die Weddellrobben ihrem Nachwuchs mit der Muttermilch weiter – und das ist wortwörtlich gemeint. Zu der Erkenntnis kommt ein Team aus Forschenden der Woods Hole Oceanographic Institution und der Universität Alaska Anchorage in einer neuen Studie.

Hochkonzentrierte Muttermilch

Entscheidend dafür ist die hohe Eisenkonzentration in ihrem Blut und ihren Muskeln. Dadurch können sie sehr viel Sauerstoff speichern, viel mehr als Landsäugetiere oder Menschen. Wenn die Weibchen der Weddellrobbe ihren Nachwuchs säugen, können sie die Eisenspeicher in ihrem Körper offenbar so mobilisieren, dass sie Eisen aus ihrer Leber abgeben und in ihre Muttermilch übertragen.

"In der Muttermilch sind noch andere Nährstoffe drin. Aber entscheidend für die Tauchfähigkeit der Jungen ist wohl die Eisenkonzentration."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk Nova

Für ihre Studie haben die Forschenden aus den USA das Tauch- und Jagdverhalten der Weddellrobben-Weibchen über einen Zeitraum von sieben Jahren beobachtet. In dieser Zeit untersuchten sie auch das Blut und die Muttermilch, um die Daten zusätzlich mit Weibchen ohne Nachwuchs zu vergleichen. Denn: Die Weddellrobben können nur alle zwei Jahre Junge bekommen.

Muttermilch: Bis zu 100 Mal mehr Eisen

Das Ergebnis: Im Blut und in der Muttermilch der Muttertiere war die Eisenkonzentration besonders hoch. Sie war zehn bis 100 Mal höher als bei Landsäugetieren.

Was für den Menschen giftig wäre, sorgt bei den Babys der Weddellrobben dafür, dass sie einen Eisenspeicher aufbauen können. Dafür säugen sie ihre Mütter bis zu sieben Wochen. Das ist im Vergleich mit anderen Robbenarten besonders lange.