Mehr als 300 Menschen sind in den vergangenen Monaten in Deutschland beim Baden verunglückt. Die Deutsche Lebens- und Rettungsgesellschaft kritisiert, dass es zu wenig Schwimmunterricht gibt.

Die meisten Badeunfälle in den vergangenen Monaten haben sich vor allem an unbewachten Badestellen wie Teichen, Seen oder Flüssen zugetragen, sagt Achim Wiese. Der Pressesprecher der Deutsche Lebens- und Rettungsgesellschaft (DLRG) warnt vor allem vor großen Flüssen, denn das seien in Deutschland meist Schifffahrtsstraßen. 

"Die meisten Flüsse in Deutschland sind Schifffahrtsstraßen. Dort herrscht Schifffahrtsverkehr. Ich gehe doch auch nicht mit meinen Kindern auf der Autobahn spielen."
Achim Wiese, Pressesprecher DLRG

Außer dem Verkehr der Schiffe sind auch Strudel an Brückenpfeilern eine Gefahr. Besonders tückisch sind gefährliche Strömungen. Manche Flüsse haben eine hohe Fließgeschwindigkeit, warnt Achim Wiese. Beispielsweise hat der Rhein bei normalem Wasserstand eine Fließgeschwindigkeit von 10 Stundenkilometern. Bei dem aktuellen Niedrigstand sei die Geschwindigkeit noch höher.

Auf unserem Agenturfoto zeigt der Leiter der Stromschwimmschule "Cubalido", Dirk Melzer, Rettungsschwimmern an einer sicheren Stelle im Rhein in der Nähe von Kaub wie die Fließrichtung verläuft.

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In Baggerseen oder Kiesteichen sorgen die Wassertiefe oder extreme Temperaturunterschiede für Überraschungen. Bis zu einer Tiefe von 80 cm kann die Wassertemperatur bei angenehmen 25 Grad liegen, darunter kann die Temperatur plötzlich auf 20 Grad abfallen, sagt Achim Wiese. Wer dann von der Sonne erhitzt in diese sehr kalte Wasserschicht von einem Steg aus springt, kann erhebliche Kreislaufprobleme bekommen.

Nur Profi-Schwimmer sollten retten

Wer beobachtet, wie jemand beim Schwimmen in einem Fluss Probleme bekommt, und sich zutraue zu retten, soll am Ufer die Person überholen und ihr dann quasi entgegen springen, rät Achim Wiese.

"In der Regel zunächst mal 112 rufen. Das ist auf jeden Fall immer richtig. Denn die Einsatzkräfte kommen dann mit Booten und haben ganz andere Kräfte, um gegen die Strömung anzukämpfen."
Achim Wiese, Pressesprecher DLRG

Der erste Schritt sollte aber sein, die Notrufnummer 112 zu wählen, sagt Achim Wiese. Die Einsatzkräfte können von Booten aus viel besser gegen die Strömung ankämpfen und den Verunglückten retten.

DLRG warnt: Deutschland wird Nichtschwimmerland

Die DLRG wirft der Politik Versagen vor. Schon heute sei "eine Verschlechterung der Schwimmfähigkeit" in der Bevölkerung nachweisbar. Angebote für Schwimmunterricht würden immer weniger werden und Schulschwimmen als Schulsport finde vielfach kaum mehr statt.

Die Kommunen würden mit den Kosten der Schwimmbäder allein gelassen, weshalb immer mehr schließen müssten. Stattdessen würden von privaten Betreibern Spaßbäder gebaut, die sich für die Schwimmausbildung oder für den Schwimmsport nicht eigneten.

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