Die Baustellen bei der Bahn sind ein notwendiges Übel. Doch das Unternehmen kann bei der Organisation noch dazulernen - findet ein Bahnexperte.

Sperrung und nichts geht mehr? Das gibt es auch bei der Bahn. Zwischen Düsseldorf und Köln werden für sechs Wochen die Fernbahngeleise gesperrt. Das Unternehmen erneuert auf 43 Kilometern Gleise und Schotter. Teilweise werden auch die Signalkabel ersetzt. Insgesamt fahren zwischen den beiden Großstädten nur wenige Züge – auch im Fernverkehr.

Manche Fernzüge werden umgeleitet und brauchen rund 20 Minuten länger. Fahrgäste müssen bis zum 18. Mai hauptsächlich mit der langsamen und seltener fahrenden S-Bahn vorlieb nehmen, oder sie fahren Auto.

"Bisher haben wir den richtig großen Aufschrei noch nicht gehört. Es zeigt sich, dass viele sich den ersten oder zweiten Tag von solchen Maßnahmen erstmal freinehmen, um zu schauen, wie sich das Ganze einspielt."
Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro-Bahn

Nicht nur zwischen Köln und Düsseldorf  wird gebaut. In den nächsten Jahren wird auch an der Nord-Süd-Schnellfahrstrecke gearbeitet. Zwischen Würzburg und Hannover müssen Reisende dann permanent mit Verzögerungen und Unregelmäßigkeiten rechnen.

Auf der Strecke Mannheim-Stuttgart sind ähnlich umfangreiche Baumaßnahmen geplant. Die Fahrtzeit dürfte sich dort in etwa verdoppeln – insbesondere für Pendler eine extreme Belastung. Insgesamt entsteht bei Bahnfahrern der Eindruck, dass sich die Baumaßnahmen in bestimmten Regionen knubbeln.

Ein Netz mit Kapazitätsmangel

Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro-Bahn sieht noch Nachholbedarf bei dem Unternehmen. Die Abstimmung von Maßnahmen im Regional- und Fernverkehr ist seiner Ansicht nach verbesserungswürdig. Sehr häufig würde auf Haupt- und Nebenstrecken gleichzeitig gebaut. Das schaffe für Reisende unnötige Schwierigkeiten.

"Vor allem das Zusammenspiel von Fernverkehr und Nahverkehr wird nicht durchgespielt. Gerade wenn die Hauptstrecke gesperrt ist, findet häufig auf der Umleitungsstrecke Schienenersatzverkehr statt. Man hat zwei Strecken, baut aber gleichzeitig auf beiden."
Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro-Bahn

Nur in Ferienzeiten am Schienennetz zu arbeiten, ist allerdings auch keine Option. Dafür sind viele notwendige Erneuerungs- und Instandhaltungsmaßnahmen zu umfangreich. Auch sechs Wochen – wie in den Sommerferien - reichen dafür nicht aus. Berufspendler müssen also auch außerhalb der Ferien mit Unregelmäßigkeiten rechnen.

Mangel an Ausweichmöglichkeiten

Für Lukas Iffländer von Pro-Bahn bietet das Schienennetz in Deutschland insgesamt zu wenige Ausweichmöglichkeiten. Deswegen sei bei Bauarbeiten häufig noch nicht einmal ein Grundangebot an Mobilität gewährleistet.

"Man bräuchte auch mehr elektrifizierte Strecken. Das hat sich gerade in Rastatt gezeigt, dass die elektrifizierten Ausweichstrecken fehlen."
Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro-Bahn

Zwischen Baden-Baden und Rastatt fuhren auf der wichtigen Rheintalstrecke wochenlang nur Busse. Grund waren Bauarbeiten an einem Tunnel. In der Folge hatten sich die Gleise abgesenkt und die Stelle war für Züge unpassierbar.

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