Spülschwämme enthalten so viele Bakterien wie ein Kothaufen, sagen Forscher, die so was untersuchen. Ein Grund zur Panik ist das allerdings nicht. Und ständig wegwerfen müsst ihr die Dinger auch nicht. 

Der Spülschwamm in der Küche: Bei manchen ist das immer ein frisches, strahlendes Ding, als käme es grade aus der Verpackung. Bei anderen ein braun verschrumpeltes Etwas, das neben dem Waschbecken liegt. Dass das braune Ding eine ziemliche Bakterienschleuder ist, kann sich jeder denken. Forscher empfehlen, Spülschwämme jede Woche auszutauschen. Bloß, wer sich daran hält, produziert natürlich sehr viel Müll. 

Unsere Kollegin Verena von Keitz ist Wissenschaftsjournalistin und rät, ein bisschen zu differenzieren. Denn nur, weil die Dichte von Bakterien in einem Spülschwamm so hoch ist, wie in einem Kothaufen, heißt das nicht, dass ihr jetzt euer Geschirr quasi mit einem Stück Scheiße spült. Mikrobiologen haben nämlich rausgefunden: Im Spülschwamm sind so gut wie keine Fäkalbakterien.

Meist droht vom Spülschwamm keine Gefahr

Trotzdem wäre es zu einfach zu sagen: Die Bakterien im Spülschwamm seien völlig ungefährlich. Mikrobiologen haben 14 Schwämme aus Privathaushalten auf Bakterien untersucht. Dabei haben sie einige Arten gefunden, die völlig harmlos sind. Drei andere sind allerdings mit Bakterienarten verwandt, die zwar für gesunde Menschen keine Gefahr darstellen, bei Menschen mit schwachem Immunsystem aber möglicherweise Infektionen auslösen können.

Unsere Kollegin Verena von Keitz hat außerdem einen Tipp, wie wir Spülschwämme wieder auf Vordermann bringen können: Warmes Spülwasser hilft nicht, besser ist, was Hygiene-Experte Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve rät:

"Ein Waschgang bei erreichten 60 Grad mit einem bleichehaltigen Vollwaschmittel - das ist ganz wichtig - reduziert eigentlich die Keimzahl komplett, das heißt, alle Keime, die drauf waren, sind hinterher weg. Also wenn die Schwämme das überleben, dann ist das eine sehr gute Idee."
Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve

Wichtig dabei: Nicht das Öko-60-Grad-Programm der Waschmaschine wählen, weil das keine 60 Grad erreicht. Und bitte zum Vollwaschmittel-Pulver greifen, das im Gegensatz zum Flüssigwaschmittel wirklich Bleiche enthält.

Bakterien stehen auf Schwämme

Die Bakterien fühlen sich im Spülschwamm so wohl, weil er ihnen ideale Lebensbedingungen bietet. Er ist dreidimensional mit vielen Bläschen, bietet also eine riesige Oberfläche, um sich festzusetzen. Außerdem ist er schön feucht und enthält viele Nährstoffe, weil wir mit seiner Hilfe Essensreste vom Geschirr abwischen. Kurz: Ein vollgesogener Schwamm, der in der Spüle liegt, ist ein Paradies für Bakterien. Genau deshalb rät auch der Mikrobiologe Markus Egert als erste Sofortmaßnahme gegen Keime in der Küche: Lappen und Schwämme gut trocknen lassen. 

Besonders vorsichtig solltet ihr übrigens sein, wenn ihr mit rohem Fleisch, zum Beispiel mit Hühnchen, hantiert. Das gilt als Risikolebensmittel, auf dem sich oft Krankheitserreger wie Salmonellen finden. Und deshalb empfiehlt Dirk Bockmühl für alle Küchenutensilien, die mit rohem Fleisch in Kontakt gekommen sind: ab in die Spülmaschine – und am besten mit einem heißen Programm. Auch die Spülbürste.

"Wenn Sie es richtig gut machen wollen, dann sollten Sie auch mehrere Lappen haben: also einen für das normale Wischen, wenn mal ein bisschen was auf den Tisch getropft ist. Und einen Lappen, den man für solche Oberflächen nimmt, die mit diesen Risikolebensmitteln in Kontakt gekommen sind."
Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve

So machen es die Profis in der Gastronomie. Und auch unsere Reporterin Verena von Keitz hat sich angewöhnt: den Spülschwamm nur fürs Spülen nehmen und einen separaten Mikrofaserlappen für die Arbeitsplatten.