Viele Asylbewerber können ihre Herkunft nicht genau nachweisen. Bei der Identitätsprüfung soll bald eine Sprachsoftware helfen - sie wird jetzt getestet.

Viele Asylbewerber kommen ohne gültige Papiere zu uns - laut Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ist das bei rund 60 Prozent der Fall. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: In einigen Ländern haben die Leute nie einen Pass oder Personalausweis ausgestellt bekommen. Andere haben ihn auf der Flucht verloren oder er wurde ihnen geklaut. Eine Möglichkeit ist jedoch auch, dass manche bewusst schummeln, um ihre Chancen auf Asyl zu verbessern.

Software statt Gutachten

Wer also prüfen muss, woher ein Asylbewerber kommt, der achtet besonders auf seine Sprache und den Dialekt. Bisher wurde der Dialekt durch Gutachter geprüft, wenn ein Sachbearbeiter Zweifel an der angegeben Herkunft hatte. Jetzt will das Bamf in einer Testphase auch eine spezielle Sprach-Software einsetzen.

"Die Behörde will die Asylantragsteller eine Sprachprobe einsprechen lassen. Die spezielle Software soll dann überprüfen, ob die Angaben stimmen."
Till Opitz, DRadio-Wissen-Reporter

In der Vergangenheit wurde das bisherige Gutachter-Verfahren kritisiert, da es stark von Dolmetscher und Gutachter abhänge. Dabei erstellen ausgebildete Sprachwissenschaftler ein Gutachten auf Basis eines Interviews, das ein Dolmetscher mit dem Bewerber führt und in dem er schildert, wo und wie er aufgewachsen ist.

Uneindeutige Fälle

Noch gibt es zu der neuen Software viele Fragen, daher ist das Ganze zunächst nur ein Test. "So eine Software ist natürlich nur bis zu einem bestimmten Punkt aussagekräftig", sagt DRadio-Wissen-Reporter Till Opitz. Kritik kommt unter anderem von Pro Asyl, die das das neue Verfahren für wenig genau und somit wenig aussagekräftig halten. Wie gut die Software funktioniert und ob sie sich auch im Behördenalltag bewähren kann, muss sich noch zeigen.