200 kleine Bänkchen sollen sich dieses Jahr von ganz alleine in Graz verteilen - und den Bürgern helfen, den öffentlichen Raum zu erobern.

Man setzt sich dann ja doch gerne mal hin, wenn man in der Stadt unterwegs ist. Manchmal sind genügend Parkbänke vorhanden, manchmal ein Mäuerchen oder eine geeignete Wiese. Manchmal aber ist gar nichts da zum Hinsetzen. Dann kann man nur stehen oder weitergehen.

Das Grazer Kollektiv Brauchst aus IT-Experten, Architekten, Schreinern und anderen Berufen, hat sich diesem Bedürfnis angenomment und ein geeignetes Bänkchen entworfen, oder wie es im lokalen Dialekt heißt: ein Bankerl. Das ist so leicht, dass man es sich unter den Arm klemmen und genau dort hinstellen kann, wo man gerade sitzen will. Und da bleibt es dann stehen für den nächsten mit Sitzbedarf. Ein Sharing-Modell der simpelsten Art.

Mehrere gelbe Bänkchen rund um einen Baum aufgestapelt
© Jakominiviertel / DJAKOB

2017 hat das Kollektiv 100 Bänkchen herausgegeben, dieses Jahr sind es 200. Heute (5. Mai) verteilt es die Bankerl auf dem Bankerlfest.

Eroberung des öffentlichen Raums

Rainer Edler, einer der Bankerl-Organisatoren hofft, dass möglichst viele Bankerl im öffentlichen Raum bleiben und sich in Graz verteilen. Er weiß aber, dass sich manche das Bänkchen auch einfach auf den Balkon stellen - aber: "das ist ja auch nicht verboten". Für ihn stehen die Bänkchen für das Draußensein und die Eroberung des öffentlichen Raumes.

"Für uns ist das Bankerl ein starkes Symbol, dass man sich vor allem im Sommer rausbewegt und den öffentlichen Raum einnimmt."
Rainer Edler

Das Bankerl ist leicht, transportabel und deshalb auch nicht sonderlich groß. Wer sich zu zweit draufsetzen will, kommt sich nahe. Das werden einige nicht mögen. Andererseits: So kommen die Sitzenden leichter ins Gespräch als auf einer Parkbank mit einem Meter Abstand zueinander.

Material: Betonschalungsplatten

Als Material für die Bankerl haben sich die Macher für Betonschalungsplatten in gelb entschieden. Die geben den Bänkchen ohne Anstrich eine schöne Farbe und sind zudem mit wasserabweisendem Melaminharz beschichtet. Biologisch abbaubar sind die Platten nicht. Am Ende ihrer Lebensdauer müsste die Bänkchen also irgendjemand zum Sperrmüll bringen - sie landen dann in der Verbrennungsanlage.

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