Durch die Pandemie hat sich unsere Haltung gegenüber dem bargeldlosen Zahlen verändert. Aber wie weit sind wir in Deutschland tatsächlich damit?

Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass wir uns beim Bezahlen mit Bargeld mit dem Coronavirus anstecken, so hilft es uns doch, die soziale Distanz zu wahren, wenn wir eine Rechnung begleichen.

In vielen Geschäften wurde mit dem Beginn der Pandemie neben der Barzahlung auch das kontaktlose Zahlen eingeführt. Hinweisschilder an den Kassen weisen darauf hin und bitten darum, möglichst mit der Bankkarte oder dem Smartphone die Rechnung zu begleichen. Manche Geschäfte und Cafés haben sogar komplett auf kontaktloses Zahlen umgestellt.
"Wenn man das Corona-Jahr 2020 mit dem 2017 vergleicht, sind ungefähr 19 bis 20 Prozent der Transaktionen weniger mit Bargeld ausgeführt worden."
Christian Rusche, Institut der deutschen Wirtschaft

Eine Umfrage der Deutschen Bundesbank ergab, dass vor allem wegen der Hinweisschilder an den Kassen häufiger ohne Bargeld bezahlt wird. Die Deutschen zahlen also vor allem aus hygienischen Gründen digital. Das reicht im Vergleich mit anderen europäischen Ländern nicht für einen der vorderen Plätze beim mobile Payment.

"Die Deutschen hängen eigentlich sehr stark an ihrem Bargeld, möchten das, glaube ich, auch nicht wirklich loswerden. Aber Corona hat eben dafür gesorgt, dass es bei den Transaktionen an Bedeutung relativ stark verloren hat."
Christian Rusche, Institut der deutschen Wirtschaft

Zwei Wochen lang hat unsere Reporterin Lena Rocholl versucht, ganz ohne Bargeld auszukommen. In Köln ist ihr das zum Teil gut gelungen, ob im Unverpackt-Laden, beim Bäcker, im kleinen Buchhandel oder im Café. Die meisten Geschäfte haben kontaktloses Zahlen mit meiner EC-Karte oder per Smartphone mit Apple- und Google-Pay akzeptiert.

Im Theater und in einem Restaurant, in dem Reporterin Lena ihr Essen bezahlen wollte, sah das schon etwas anders aus, Kartenzahlung wurde hier abgelehnt.

Ein Mann hält ein Pappschild in der Hand: Cash Only.

Deutschland liegt relativ weit hinten im internationalen Vergleich

Deutschland liegt im Vergleich zu anderen Ländern ziemlich weit hinten, einerseits, weil die Infrastruktur vielerorts gut ausgebaut ist. Das heißt, dass es meist einfach ist, einen Bargeld-Automaten zu finden. Bis zum Beginn der Corona-Pandemie waren daher digitale Bezahlungsmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Ländern hierzulande geringer ausgeprägt, sagt Christian Rusche, Institut der deutschen Wirtschaft.

Vor allem die 18 bis 35-Jährigen zahlen verstärkt digital

Wenn man sich das mobile Zahlen anschaue, seien es vor allem die 18 bis 34-Jährigen, die es verstärkt nutzten, zu einem geringeren Teil auch die 35 bis 44-Jährigen, fasst Christian Rusche vom Institut der deutschen Wirtschaft die statistischen Erhebungen zusammen.

Vor allem die Älteren vertrauen stärker auf Münzen und Scheine und zahlen kleine und mittelgroße Beträge am liebsten immer noch bar, weil sie sich damit sicherer fühlen. Für sie spielt die Privatsphäre beim Bar-Zahlen eine große Rolle.

"Die Bundesbank hat herausgefunden, dass das, was Leute wirklich an Zahlungsmitteln schätzen, ist, dass man die Vertrautheit, die Einfachheit, die Privatsphäre, den Überblick über seine Finanzen und die Sicherheit vor Verlust hat."
Christian Rusche, Institut der deutschen Wirtschaft

Auch wenn sich durch die Pandemie schon einiges getan hat, tun wir uns in Deutschland in einigen Punkten immer noch ziemlich schwer mit einer digitalen Bezahlwelt. Einer aktuellen Umfrage zufolge würde es nur jede fünfte Person gut finden, wenn Deutschland komplett ohne Scheine und Münzen auskommen würde.