Wenn es juckt, dann kratzen wir uns – obwohl wir wissen, dass das nicht gut ist, weil wir uns verletzen können. Streicheln ist besser, sagen Wissenschaftler.

Kratzen kann zwar Linderung bringen, ist aber nicht gut. Denn: Wir können uns verletzen und die Haut kann sich entzünden. Streicheln ist viel sinnvoller, schreiben nun Forschende um den Wissenschaftler Kent Sakai von der University Miami im Journal of Neuroscience.

Streicheln blockiert Juckreiz

Der Neurowissenschaftler Henning Beck erklärt, wieso das funktioniert: Die Haut ist vollgepackt mit lauter einzelnen Sinneszellen und Rezeptoren, die die unterschiedlichsten Dinge wahrnehmen – unter anderem eben auch Juckreiz.

Durch einen Insektenstich oder andere Einflüsse werden diese Sinnesfasern aktiviert und funken Signale ans Rückenmark. Von dort geht die Botschaft weiter ins Gehirn, wo der Juckreiz eigentlich entsteht.

"Eigentlich entsteht jeder Juckreiz im Gehirn."
Henning Beck, Neurowissenschatler

Das lässt sich mit bildgebenden Verfahren auch zeigen, erklärt Henning Beck, denn wenn Juckreiz stattfindet, sind ganz bestimmte Areale im Gehirn aktiv.

Beim Jucken haben wir nun ein Problem: Anders als Schmerz wird Juckreiz vom Gehirn nicht reguliert, erklärt der Neuwowissenschaftler. Schmerzen werden irgendwann abgeschaltet. Treten wir etwa auf einen spitzen Gegenstand oder hauen mit dem Ellbogen irgendwo an, lässt der Schmerz recht schnell nach, dafür sorgt unser Rückenmark. Bei Jucken passiert das leider nicht.

Streicheln setzt körpereigene Opioide frei

Kratzen kann da schon helfen. Es wirkt wie eine Art Schalter: Dabei wird eine Nervenfaser aktiviert, die ebenfalls ins Rückenmark führt. Dadurch wird dort ein Botenstoff ausgeschüttet, das sogenannte Dynorphin, ein körpereignes Opiod. Und das reguliert dann den Juckreiz.

Aber: Kratzen ist eben gefährlich, weil es die Haut verletzen kann. Und Streicheln hat einen ganz ähnlichen Effekt, erklärt Henning Beck – nur ist es eben viel schonender. Also: Seid sanft zu euch selbst!