Benjamin Lebert hat in Katmandu in einem Kinderheim gearbeitet. Er war gerade wieder hier, als sich mehrere Erdbeben in Nepal ereigneten. Benjamin hat versucht, auf diese Ereignisse eine Antwort zu finden: in einem Buch.

Der Titel scheint nicht viel Anlass zur Hoffnung zu geben: "Die Dunkelheit zwischen den Sternen" . Wenn man in den nächtlichen Sternenhimmel schaut, scheint die Dunkelheit so viel größer als die Sterne. Erst recht, wenn man in einem Kinderheim wohnt und jeden Tag aufs Neue ums Überleben kämpfen muss. Wie die drei Hauptfiguren in Benjamin Leberts Buch: Achanda, Tarun und Shakti. Sie alle sind schon vom Leben gezeichnet - von den Eltern verkauft, prostituiert, versklavt - und leben nun zusammen in einem Kinderheim in Katmandu.

"Es gilt, die eigenen Augen zu überlisten."
Benjamin Lebert

"Es gibt keine Sicherheit für die Kinder. Und das wissen sie", sagt Benjamin Lebert. Alles, was sie wollen, ist ein kleines Stück Glück. Achanda zum Beispiel will Geld sparen, um sich ein Motorrad zu kaufen. Es soll sein Weg in die Freiheit sein. Um das Geld zusammenzubekommen, erfüllt er einem älteren Herren gewisse Wünsche - er klaut zum Beispiel die getragene Unterwäsche eines Mädchens aus dem Kinderheim. Es ist ausgerechnet Shakti, mit der Achanda gerne fliehen will.

Benjamin Lebert in Nepal
© privat
"Ich möchte den Kindern eine Stimme geben." - Benjamin Lebert

Neun Tage vor dem ersten großen Erdbeben setzt der Roman ein. "Die neun Tage stellen die Unregelmäßigkeit dar", sagte Benjamin. "Die 9 findet keinen Halt. Sie hat diesen Schnörkel nach unten, der in den Abgrund führt." Eine Woche vor dem Erdbeben im April 2015 ist Benjamin zurück nach Deutschland gekommen. Zuvor hat er zwei Monate in einem Kinderheim im Katmandu geholfen: "Was ich geglaubt habe zu spüren, habe ich versucht, in den Roman zu legen."

"Ich habe ein rastloses Herz."
Benjamin Lebert

In Eine Stunde Talk erzählt er von seiner Zeit in Katmandu, warum auch ein Geschichtenerzähler nicht alles weiß und wieso Vorlesen im Bett toll ist!