Pro Monat melden sich über 120 Anrufer bei der Beratungsstelle Radikalisierung. Wichtig ist es, für die Jugendlichen eine emotionale Alternative zu den Radikalen aufzubauen.

Seit 2012 bietet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Hotline an "Beratungsstelle Radikalisierung". Pro Monat gehen zwischen 120 und 150 Anrufen an, sagt Florian Endres. Er leitet die Beratungsstelle Radikalisierung. Vor allem melden sich Familienangehörige oder auch Freunde von jungen Menschen. Die Anrufer befürchten, dass sich ihr Sohn, ihre Schwester oder ihr Freund radikalisieren könnte.

Florian Endres (19.09.2014) von der Beratungsstelle Radikalisierung des BAMF. Er hat kurze Haare. Er trägt Brille, Anzug und Schlips; Foto: dpa, Robert Ullinger/BAMF
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Florian Endres leitet die Hotline des BAMF.

Es gibt Eltern, die rufen an, weil ihre Kinder auf einschlägigen Webseiten surfen, was noch kein Zeichen für eine Radikalisierung sein muss. Bei der Hotline gehen aber auch Gespräche ein, in denen es um Jugendliche geht, die bereits tief in der Dschihadisten-Szene stecken, so Florian Enders.

"So ein Erstgespräch kann bis zu 2,5 Stunden dauern. Das kann teilweise sehr aufreibend und emotional aufgewühlt sein."

Beim ersten Gespräch versuchen die Mitarbeiter der Hotline herauszufinden, ob sich der betroffene Jugendliche tatsächlich radikalisiert hat. Wie hat er sich verändert, und woran machen die Ratsuchenden das fest? Falls nötig, vermitteln die Hotline-Mitarbeiter die Ratsuchenden an Beratungsstellen in ganz Deutschland und stellen einen Kontakt her. Um die Radikalisierung zu stoppen, brauchen die Jugendlichen vor allem eine emotionale Alternative zu den radikalen Kräften.

"Gerade die salafistischen Akteure schaffen es relativ gut, die emotionale Ebene zu besetzen."

Deshalb versuchen die Beratungsstellen, das soziale Umfeld der Jugendlichen zu aktivieren. Denn viele sind weiterhin im Austausch mit Verwandten und auch Freunden. "Eltern haben durchaus noch Einfluss oder auch Geschwister und enge Freunde, die eine Möglichkeit haben, die Personen auf emotionaler Ebene anzusprechen", sagt Florian Enders.