Insekten, die in Berlin auf einer Nadel stecken, kann man sich jetzt ein bisschen genauer angucken und damit wissenschaftlich arbeiten – auch übers Netz. Im Museum für Naturkunde arbeitet der erste Insektenscanner.

Im Naturkundemuseum in Berlin wird jetzt mit einem Insektenscanner gearbeitet – mit dem weltweit ersten. Eine Spezialkamera macht aus verschiedenen Positionen Tausende Bilder eines toten Insekts. Daraus können innerhalb von wenigen Stunden ein 3-D-Modell und hochauflösende Einzelbilder erstellt werden. Frederik Berger arbeitet für das Museum und erklärt, warum er sich über das Gerät so freuen kann und wie es funktioniert.

"Das Insekt sitzt in einer Lichtkugel auf einer Nadel und von außen wird eine Kamera herangeführt. Während sich das Insekt um die eigene Achse dreht, werden kontinuierlich Aufnahmen gemacht."

Von dem sich drehenden Insekt auf der Nadel werden während einer Zeit von zwei bis fünf Stunden rund 25.000 Aufnahmen angefertigt. Dazu muss man wissen, dass Insekten auf Nadeln die Standardaufstellung von Insekten in naturkundlichen Sammlungen sind. Die Nadel wiederum befindet sich in einem Kasten. Die einzelne Nadel mit dem Tier kommt in den Scanner und wird abgelichtet, sagt Frederik Berger.

Neuer Scanner für bessere Modelle

Der Scanner ist vor allem für Objekte in der Größe von zwei Millimetern bis fünf Millimetern ausgelegt. Darunter fallen verschiedene Insekten: Käfer, Fliegen, kleinere Schmetterlinge, Wespen, Bienen, Ameisen.

"Ein gutes Objektiv, viel Licht, so ist es tatsächlich möglich, dass sich auch bei zwei Millimeter großen Objekten einzelne Details erkennen lassen – bis hin zu den Augen."

Frederik Berger freut sich über die Möglichkeit, in diesem Bereich überhaupt Scans anfertigen zu können. Der große Benefit sei, dass dann maßstabsgetreue und volumengerechte Modelle vorliegen.

"Man kann tatsächlich an dem digitalen Objekt messen und arbeiten. Das war bisher nicht möglich."

3-D-Modelle werden von ausgewählten Objekten erstellt, die stark beforscht werden, oder von Objekten für die es eine konkrete Nachfrage oder Anwendung gibt, sagt Frederik Berger.

Der wissenschaftliche Vorteil liegt auf der Hand. Wer Objekte erforschen und bestimmen möchte, vielleicht eine neue Art entdeckt hat und einordnen möchte, muss sich die Tiere nicht mehr vor Ort in der Sammlung angucken.

"Indem wir die 3-D-Digitalisate bereitstellen, kann man das auch von Weitem machen. Weltweit haben die Leute Zugriff auf unsere Objekte und können ihre Forschung an den Bildern betreiben."

Die ersten 3D-Modelle werden vom Frühjahr 2020 an über eine eigene Plattform bereitgestellt und sind dort für jeden nutzbar. Frederik Berger betont, es gehöre zum Auftrag des Museums, für die ganze Gesellschaft Digitalisate bereitzustellen. Das Interesse gehe bereits jetzt über die Wissenschaft hinaus. Auch die Spieleindustiere frage die Modelle nach.

"Wir haben viele Anfragen – aus der Computerspieleindustrie zum Beispiel, die anhand Modelle die Avatare für die Spiele bauen."