Wer sich verbeamten lassen möchte, muss sich vom Amtsarzt oder einer -ärztin durchchecken lassen. Eine kurzzeitige Psychotherapie ist in der Regel nicht zwangsläufig ein Stolperstein für diejenigen, die eine Verbeamtung anstreben.

Wer im Freundeskreis offen über die Gesprächstherapie spricht, die er oder sie gerade angefangen hat, ist beim Arbeitgeber und generell in der Öffentlichkeit möglicherweise zurückhaltender, um sich selbst nicht zu schaden.

Immer noch zu oft werden Menschen, die sich Hilfe suchen, stigmatisiert. Und beispielsweise Lehrerin oder Lehrer, die eine Verbeamtung anstreben, müssen einen Termin bei einem Amtsarzt oder einer -ärztin vereinbaren.

Es wird untersucht, ob die Lehrkräfte sowohl körperlich als auch psychisch gesund sind. Damit wollen Schulbehörden viele Fehlstunden und lange Ausfälle aufgrund von Erkrankungen so weit wie möglich ausschließen.
"Also hinter verschlossenen Türen wird es schon angesprochen. Da kann eigentlich jeder Dritte was drüber sagen – aber an die große Glocke hängt es niemand."
Jan, Lehrer aus Nordrhein-Westfalen

Auch Jan, ein Lehrer aus Nordrhein-Westfalen, hat eine Therapie gemacht, als ihm während seines Studiums alles zu viel wurde. Die Therapie umfasste zwei Sitzungen monatlich über ein Dreivierteljahr.

In Jans Fall hatte ihn seine Therapeutin zu Beginn darauf hingewiesen, dass es ein Problem für ihn sein könnte, wenn die Psychotherapie in seiner Krankenakte dokumentiert würde.

"Das waren zwei Sitzungen pro Monat über ein Dreivierteljahr. Die Therapeutin hatte mich aber schon zu Beginn darauf hingewiesen, dass das unter Umständen Probleme geben könnte, wenn eine Therapie in meiner Krankenakte auftaucht."
Jan, Lehrer aus Nordrhein-Westfalen

Jan kennt die Sorge, dass eine Therapie dem beruflichen Werdegang schaden könnte aus seinem Bekanntenkreis. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen, die ihm im Privaten anvertrauen, dass sie sich therapeutisch behandeln lassen, würde das nie öffentlich sagen.

Bestimmte Diagnosen verhindern nicht zwangsläufig eine Verbeamtung

Eine Therapie zu machen, hält Andrea Melville-Drewes grundsätzlich für eine sinnvolle Idee. Sie ist Psychologin beim Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf. Ihr Job ist es, mit einem psychologischen Gutachten zu bescheinigen, dass ein Bewerber oder eine Bewerberin sich für die Verbeamtung eignet oder eben nicht.

Dass bestimmte Krankheitsbilder oder Diagnosen immer zu einer Nicht-Verbeamtung führen, sei nur ein Gerücht, sagt die Psychologin.

"Es ist nicht so, dass Psychotherapie per se zu einer Nicht-Eignung führt. Aber ich kenne die Sorgen, weil ich öfter Referendare untersuche, die dann schon hier zitternd ankommen und große Sorge haben."
Andrea Melville-Drewes, Psychologin beim Gesundheitsamt Düsseldorf

Eine negative Prognose für eine Verbeamtung stellt die Psychologin Melville-Drewes eher bei schweren psychischen Erkrankungen, die über mehrere Jahre mehrfach aufgetreten sind und dadurch zu vielen Fehlzeiten im Studium geführt haben.

Außerdem bewertet sie auch, ob die- oder derjenige das eigene Leistungsniveau vor der Erkrankung wieder erreichen konnte. Und die Psychologin bezieht in ihre Bewertung auch mit ein, ob beispielsweise sowohl ambulante als auch stationäre Behandlungen stattgefunden haben.

Beratung statt Therapie

Wer wirklich Sorge hat, vor seiner Verbeamtung eine Therapie anzufangen, kann auch noch andere Angebote nutzen: In Familien- oder Lebensberatungsstellen bekommen Hilfesuchende erste psychotherapeutische Hilfe, ohne dass direkt in der Krankenakte vermerkt wird.

Klage um Verbeamtung durchsetzen

Genaue Zahlen, wie oft Menschen die Verbeamtung wegen einer Psychotherapie verweigert wird, gibt es nicht, hat unsere Reporterin Meike Glass bei ihrer Recherche festgestellt.

Aber es kommt durchaus vor: In einigen dieser Fällen haben Bewerberinnen und Bewerber gegen die Ablehnung geklagt und auch recht bekommen.

Der Rechtsanwalt Janus Galka sagt, dass diese Fälle in seiner Kanzlei in den letzten fünf, sechs Jahren deutlich zugenommen haben. Das hänge auch damit zusammen, dass sich die Rechtsprechung teilweise zum Positiven geändert habe.

Lass dir helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest, findest du hier einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

  • Telefonseelsorge: Unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 erreicht ihr rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen ihr über eure Sorgen und Ängste sprechen könnt. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.
  • Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.
  • Hier findest du eine Übersicht von Telefon- und Online-Beratungen in Deutschland: suizidprophylaxe.de.
  • Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030-44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch Türkisch.