Viele Privathäuser wurden von den Sowjets beschlagnahmt. Für deren Eigentümer bedeutete das oft, den Verlust ihres Hauses und manchmal auch dessen Verfall mitzuerleben.

Über eine halbe Million sowjetische Soldaten und ihre Familien prägten mehr als 40 Jahre das Straßenbild in bestimmten Gegenden der ehemaligen DDR. In Brandenburg lebten besonders viele von ihnen. Christian Funke ist heute 73 und lebt heute noch in dem Haus, dass seine Ur-Großmutter 1893 bauen ließ.

Die Besatzung durch die sowjetischen Streitkräfte bedeutet für Potsdam, wie auch für viele andere Städte, dass Kasernen und alle militärischen Gelände besetzt werden. Außerdem benötigen die Militärs auch Wohnraum und beschlagnahmten Privathäuser.

"Die anderen Mieter flogen raus. In der Souterrain-Wohnung lebte ein taubstummes Ehepaar mit zwei Kindern."
Christian Funke

Seine Mutter, die Großmutter und er, als Vier- oder Fünfjähriger bewohnen zu dieser Zeit längst nicht mehr alle Zimmer des Hauses. Die anderen Mieter werden ausnahmslos und ohne zu zögern vertrieben. Die Frauen und das Kleinkind dürfen als Eigentümer vorerst bleiben und kommen so in die ungewöhnliche Situation mit den Befreiern und Besatzern unter einem Dach und auf derselben Etage zusammenzuleben.

"Für meine Mutter war das sicher auch ein ganz schöner Happen: dort Vater in russischer Kriegsgefangenschaft - wer weiß in welcher Drangsal - und hier die Russen im eigenen Haus."
Christian Funke

Trotz der schwierigen Umstände erinnert sich Christian Funke auch an gute Momente: Die sowjetischen Soldaten steckten ihm in den 1940ern auch immer mal Schokolade zu. Viele der sowjetischen Mitbewohner bei den Funkes und in ihrer Nachbarschaft waren Militärkünstler: Tänzer, Sänger und Zauberkünstler, die im benachbarten Haus der Offiziere ein Ensemble hatten. Obwohl alle auf engstem Raum zusammenwohnen mussten, empfand Christian Funke die meisten als umgängliche und angenehme Zeitgenossen.