Neben religiösen Gründen gibt es für Beschneidungen bei Männern auch medizinische Indikationen. Die gesundheitlichen Vorteile wurden bisher aber eher überschätzt. 

Weltweit ist schätzungsweise jeder vierte Mann beschnitten. Viele dieser Operationen werden aufgrund der religiösen Zugehörigkeit zum Islam oder Judentum durchgeführt. Die Komplikationen bei diesem Eingriff sind zwar selten, durch die häufige Anwendung dieser Operation aber durchaus relevant. 

Wichtigste Risiken bei einer Beschneidung:  

  • Blutungen
  • Entzündungen
  • Verletzungen der Harnröhre
"Früher hat man relativ schnell operiert. Heute ist man sehr viel vorsichtiger geworden."
Martin Winkelheide, Wissenschaftsjournalist

Ein medizinischer Grund für eine Beschneidung kann eine Vorhautverengung sein. In diesem Fall ist es oft schmerzhaft, die Vorhaut zurückzuziehen und es kann zu wiederkehrenden Entzündungen kommen. 

Ärzte neigen heute eher dazu, erst andere Behandlungsmethoden anzuwenden, bevor sie zum Skalpell greifen. Sie setzen beispielsweise entzündungshemmende Salben ein. 

"Statistisch gesehen stecken sich beschnittene Männer nicht so schnell mit einigen sexuell übertragbaren Krankheiten an."
Martin Winkelheide, Wissenschaftsjournalist

Die Beschneidung kann auch vor sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten wie Genital-Herpes oder Tripper schützen. Beschnittene Männer haben beispielsweise ein um 66 Prozent niedrigeres Risiko, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Es gibt weniger Schleimhaut am Penis, über die das Virus in den Körper eindringen kann. 

Das ist ein Grund, wieso die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Ländern, in denen HIV weit verbreitet ist, die Beschneidung von erwachsenen Männern und von Jungen empfiehlt. 

Kritiker sagen aber, dass jemand, der weiß, dass sein Ansteckungsrisiko geringer ist, sich leichtsinniger verhalten könnte. Diese Person könnte mehr Sexpartner haben, dadurch würde der Vorteil der Beschneidung möglicherweise verloren gehen.

"Es gibt inzwischen bessere Methoden, die Ausbreitung von HIV zu bremsen. Besser ist es, Infektionen früh zu erkennen und zu behandeln."
Martin Winkelheide, Wissenschaftsjournalist

Beschneidung und Sex

Es gibt Studien und Umfragen zum sexuellen Erleben von beschnittenen Männern und auch zum sexuellen Erleben von Frauen mit beschnittenen Partnern, die oft zu gegensätzlichen Ergebnissen kommen. 

Körperliche Fakten: Fehlende Vorhaut, weniger Sensibilität oder andere Erregbarkeit sind einige davon. Je nach persönlichen Werten, Vorlieben oder Weltbildern wird sehr unterschiedlich bewertet, ob die Beschneidung ein Vor- oder Nachteil ist.