"This call is from Europol. We would like to inform you, that your identity number is in misuse. For more information, please press 1." Immer mehr Menschen bekommen gerade Anrufe wie diese, selbst das BKA warnt jetzt davor. Wir haben uns angeschaut, ob und wie man dagegen vorgehen kann.

Die Anrufe, die gerade vermehrt auf Mobiltelefonen eingehen, sind meistens englische Bandansagen. Den Angerufenen wird darin mitgeteilt, dass ihr Pass missbräuchlich verwendet worden ist. Manchmal liegt angeblich sogar ein Haftbefehl gegen sie vor. Anschließend werden sie aufgefordert, eine Ziffer zu drücken, um weitere Informationen anzufordern.

Tipp – ihr könnt es euch denken: Macht das nicht. Es endet nämlich damit, dass ihr Geld auf ein Konto überweisen sollt – entweder ins Ausland oder in Kryptowährung.

"Das BKA sagt: Am besten direkt auflegen. Und auch nicht zurückrufen."
Nik Potthoff, Deutschlandfunk Nova

Inzwischen warnt auch das Bundeskriminalamt davor. Es könnte nämlich auch passieren, dass eure Daten im Anschluss noch für andere Verbrechen benutzt werden.

Das Problem: An der verwendeten Nummer lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen, dass es Scam-Anrufe sind. Die Betrüger*innen benutzen nämlich viele unterschiedliche Nummern – teilweise kapern sie sogar die von wirklichen Polizeidienststellen, teils sind es ausländische Nummern.

Gekaperte Telefonnummern

Auch Nik Potthoff von Deutschlandfunk Nova wird gerade von täglichen Anrufen "erfreut". Er wurde jedes Mal von einer anderen Mobilfunknummer angerufen. Wenn er zurückrief, konnte es sein, dass eine "normale" Person ranging, die von dem Missbrauch der eigenen Nummer gar nichts wusste.

Trotzdem rät das BKA dazu, nicht zurückzurufen. Das könnte unter Umständen nämlich auch kosten. Das Annehmen des Anrufs ist aber erst mal kein Problem – dadurch entstehen euch keine Kosten. Aber es nervt natürlich.

Polizei und Bundesnetzagentur informieren

Außer Auflegen – oder Anrufe von unbekannten Rufnummern grundsätzlich nicht beantworten – lässt sich in diesem Fall nicht wirklich viel machen. Weil die Betrüger eben so viele unterschiedliche Nummern missbrauchen.

"Das BKA empfiehlt, Strafanzeige bei eurer Polizei vor Ort zu stellen. Die Nummer solltet ihr außerdem auch der Bundesnetzagentur melden."
Nik Potthoff, Deutschlandfunk Nova

Das BKA empfiehlt, Strafanzeige bei eurer Polizei vor Ort zu stellen. Die Nummer, von der ihr angerufen wurdet, sollte man außerdem auch der Bundesnetzagentur melden. Die haben ein Formular dafür auf der Seite. Dort gibt es auch ausführliche Informationen über die Manipulation von Rufnummern, genannt "Call-ID-Spoofing".

Die Website "Have I Been Pwned.com" sammelt Datenleaks. Wer das möchte, kann die eigene Telefonnummer dort eingeben. Die Seite sagt euch dann, ob eure Nummer vielleicht gehackt wurde.

Handy entsprechend einstellen

Manches könnt ihr auch auf eurem Smartphone selbst tun – das unterscheidet sich aber leider je nach Betriebssystem oder Handy.

Bei Samsung zum Beispiel man etwa die Option "Smart Call" aktivieren – ein System, das schon bei eingehenden Anrufen kontrolliert, ob da Scam dahinterstecken könnte. Dort kann man auch Nummern melden.

Ansonsten gibt es auch immer mehr Apps die man dafür benutzen kann. Sie filtern solche Anrufe oder zeigen an, wenn es sich um Scam handeln könnte.

Außerdem könnt ihr Nummern, die ihr einmal als gefälscht erkannt habt, natürlich blockieren und in den Spam-Ordner verschieben. Dann werdet ihr – zumindest von dieser Nummer – nicht noch fünf Mal an diesem Tag angerufen.

Neufassung des Telekommunikationsgesetzes

Von Seiten der Politik passiert bisher leider nicht wirklich viel – zumindest nicht solche Schritte, die die ärgerlichen Anrufe unmöglich machen, wie man ja gerade wieder merkt.

Mit dem Inkrafttreten der Neufassung des Telekommunikationsgesetzes am 1. Dezember 2021 wurde Providern immerhin verboten, Anrufe zu vermitteln, die angeblich von der Nummer 110 kommen sollen.

"Nummern, die aus dem Ausland kommen, werden – wenn sie eine deutsche Anrufnummer anzeigen – per se als nicht vertrauenswürdig gekennzeichnet oder nicht angezeigt beim Teilnehmer."

Und: Die Provider müssen jetzt etwas tun gegen Anrufe aus dem Ausland, bei denen uns eine deutsche Nummer angezeigt wird: Diese Anrufe werden nun per se als nicht vertrauenswürdig eingestuft, so Frank Ewen von Netcologne im Deutschlandfunk.