Alkohol macht lustig, heißt es. Aber stimmt das tatsächlich? Das haben Forscher getestet, indem sie die Mimik Betrunkener beobachtet haben. Die können wir unter Alkohol nämlich nicht mehr kontrollieren, sagt Mimik-Experte Dirk Eilert, der die Untersuchung erklärt.

Macht Alkohol wirklich lustig? Das wollten Michael Sayette und seine Kollegen herausfinden. Die Forschenden von der University of Pittsburgh haben in einem Experiment untersucht, wie sich Betrunkene in einer kleinen Gruppe von Fremden verhalten. Dafür gaben sie den Versuchspersonen Cocktails mit und ohne Alkohol und zeigten ihnen danach Aufnahmen eines Comedians. Um das Lustig-Sein zu testen, haben sie das Lächeln der Probanden gemessen – und zwar nur das echte, das sogenannte Duchenne-Lächeln, bei dem sich auch Muskeln um die Augen zusammenziehen.

"Wenn wir zum Beispiel wissen wollen, wie ein Geschenk ankommt, dann sollten wir weniger auf den Mund achten, sondern vielmehr auf die Augen, ob die auch lachen."
Dirk Eilert, Mimik-Experte

Das Duchenne-Lächeln ist nach Guillaume-Benjamin Duchenne benannt, erklärt der Mimik-Experte Dirk Eilert. Duchenne war ein französischer Physiologe und Neurologe im neunzehnten Jahrhundert, der diese "Muskeln der Freude" untersucht hat. Er stimulierte die Gesichtsmuskeln seiner Probanden mit Strom und stellte dabei fest, welche Muskeln bei echter Freude reagieren. Seither wissen wir: Bei echtem Lächeln – im Gegensatz zu gespielter Freude – lächelt nicht nur der Mund, sondern eben auch die Augenpartie.

Alkohol macht lustiger

Das Experiment von Sayette und Co. hat nun ergeben, dass bei den witzigen Stellen der Comedy alle gelacht haben – die alkoholisierten ebenso wie die nüchternen Versuchspersonen. In den Pausen zwischen den Pointen wurde die Folge des Alkohols aber deutlich: Hier lachten die betrunkenen Probanden rund ein Drittel bis ein Viertel mal häufiger als die nüchternen.

Dirk Eilert erklärt, dass Studien schon in der Vergangenheit gezeigt haben, dass Alkohol grundsätzlich aufmunternd wirkt, das allgemeine Wohlbefinden steigert und einen angstlösenden Effekt hat. Im Ergebnis, so Eilert, wirkt das so, dass wir in einer sozialen Interaktion lockerer und ausgelassener werden.

Alkohol funktioniert als soziales Schmiermittel

Und zu diesem Schluss kommt auch die Pittsburgher Studie: Alkohol im Beisein von Fremden steigert weniger die fröhliche Stimmung oder senkt die Humorschwelle. Eher wirke der Alkohol als eine Art soziales Schmiermittel. Er hebt die Stimmung in den ruhigeren Momenten, so der Schluss der Forschenden, wenn sich die Aufmerksamkeit stärker auf die eigene Person richtet und Gefühle der Unsicherheit oder des Unbehagens auftreten könnten.

"Grundsätzlich können wir sagen, das unter Alkohol die emotionale Kontrolle abnimmt. Also wir zeigen Emotionen, die in dem Moment entstehen, einfach freier."
Dirk Eilert, Mimik-Experte

Auch physisch hat Alkohol einen Effekt, erklärt der Mimik-Experte weiter: In geringer Menge wirkt er entspannend, die Blutgefäße erweitern sich zum Beispiel. Mimisch lassen wir unseren Emotionen freieren Ausdruck: "Also insgesamt werden wir nonverbal offener und freier im Ausdruck."

Alkohol hat einen entspannenden Effekt

Die Wirkung hängt dabei natürlich auch von der Menge des Alkohols ab. Und ist individuell verschieden. Wir wissen: Manche Menschen werden ruhiger und kuschelbedürftiger, andere aggressiver. Grundsätzlich aber, so Dirk Eilert, nimmt die emotionale Kontrolle generell ab.

Ab einer gewissen Alkoholmenge werden wir auch müde. Dann sehen wir nicht nur mehr Lächeln, sondern typischerweise auch mehr hängende Augenlider – und oft auch hochgerissene Augenbrauen und aufgerissene Augen, wenn Betrunkene nämlich versuchen, ihren Alkoholschwindel auszugleichen.

Alkohol kontrolliert unsere Mimik

Die Kontrolle über die eigene Mimik zu bewahren, wenn wir getrunken haben, ist schwer bis unmöglich, sagt Dirk Eilert. Denn: Unsere mimische Muskulatur wird nicht nur bewusst über unser motorisches Zentrum im Gehirn gesteuert, sondern ist auch direkt mit unserem limbischen System, unserem Emotionszentrum im Gehirn verdrahtet. Also: Mimik-Kontrolle unter Alkoholeinfluss – Fehlanzeige!