Die Amerikanerin Emma Chamberlain hat einen neuen Trend bei Youtube gesetzt: Sie gibt sich in ihren Videos ganz authentisch - wobei es wohl treffender ist, von inszenierter Authentizität zu sprechen. In zwei Jahren bekam sie acht Millionen Fans.

Auch in ihrem jüngsten Youtube-Video ist Emma Chamberlain ungeschminkt - zumindest wirkt es so - und sie plaudert einfach drauf los, alles ganz natürlich. Mit dem Konzept hat die 18-Jährige in zwei Jahren acht Millionen Fans erreicht und ist Multimillionärin.

Natürlichkeit als Gegenentwurf

Emma Chamberlain ist damit der Gegenentwurf zu Youtubern der alten Garde, wie hier in Deutschland Vorzeige-Beauty Bibi. Hier ist alles inszeniert, perfekt hergerichtet. Es geht zu wie am Film-Set mit optimaler Ausleuchtung, guten Kameras und viel Aufwand im Schnitt. Das Video, indem Bibi der Welt erzählt, dass sie schwanger ist, mutet an wie eine Mischung aus Hochglanzwerbung und Rosamunde-Pilcher-Naturkitsch-Bildästhetik.

Da kommt eine Emma Chamberlain - die selbst beim Pupcake-Backen lustige Verrenkbewegungen macht und zwischendurch durchaus Humor hat - fast wie eine Erlösung daher. Sie präsentiert sich dem Publikum natürlicher, echt, roh, unbearbeitet - irgendwie auf Augenhöhe mit den Zuschauern.

"Ich bezweifel, dass Emma Chamberlain wirklich so ist. Am Anfang stand sicherlich eine kreative Idee - aber inzwischen ist auch sie ein durchkommerzialisiertes Produkt."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Authentisch zu sein klingt wie mal eben gemacht. Emma Chamberlain gibt aber offen zu, dass sie pro Video 30 Stunden im Schnitt verbringt, was zeigt: Da steckt eine Menge Arbeit und vermutlich auch eine Strategie hinter. Insofern sind sich Bibi und Emma schon wieder ähnlich. Mindestens eine Kameraperson hat Emma beim Dreh dabei.

Aus Marktlücke wird Trend

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll sagt, Emma Chamberlain hätte eine Marktlücke bedient, die sich inzwischen zum Trend entwickelt- und einen Namen hat: "Slacker Youtuber" oder "Relatable Influencer". Für das Publikum bedeutet das, dass sie sich besser mit ihrem Star identifizieren können.

Bei Hochglanzprodukten wie Bibi, die über Hunderttausend Euro pro Monat verdienen und um die Welt jetten, fällt das schwerer. Die kann man allenfalls anhimmeln. Bei Youtubern, die scheinbar ein ganz normales Leben führen, fällt die Identifikation leichter.