Es ist nichts los auf dem Land, viele junge Menschen ziehen in die Städte, zurück bleiben die Alten. Programme und Co-Working-Hubs wollen sie zurück aufs Land locken – mit Jobs, günstigem Wohnraum, Ruhe und vor allem Natur.

Der Trend ist seit Jahren ungebrochen: Es ziehen mehr Menschen in die Städte als aufs Land. Eine Studie zeigt: Zwischen 2008 und 2014 sind 250.000 Deutsche in die Städte gezogen. Das sind mehr als von dort weggezogen sind. Vor allem der Anteil der Unter-30-Jährigen ist in der Gruppe der Landflüchtigen besonders hoch.

Einmal weg, kehren die wenigsten zurück

Ein Grund, warum Menschen in die Städte ziehen, ist zum Beispiel die Ausbildung. Meist kehren sie danach nicht wieder an ihren Heimatort zurück. Wer dann später eine Familie gründet und in Städten wie Berlin, Leipzig oder Stuttgart Wohnraum sucht, weicht dann meist in den Speckgürtel rund um die Städte aus – aber bleibt dem echten Landleben fern.

Genauso war das auch bei Karin Gottfried, sie kommt ursprünglich aus dem Sauerland und hätte sich nie träumen lassen, dorthin zurückzukehren.

"Ich hätte ja auch vor fünf Jahren, oder sagen wir mal vor acht Jahren nie gedacht, dass ich jemals in meine alte Heimat zurückgehe."
Karin Gottfried zog in die Stadt und wieder zurück

Im Sauerland verlässt jede Dritte zwischen 18 und 24 Jahren die Gegend. Die sollen mit dem Programm "Heimvorteil" in die alte Heimat gelockt werden. Teil des Programms ist eine Jobvermittlung für die Rückkehrerinnen. Bei Karin Gottfried hat das geklappt, sie hat ihr Jobprofil angegeben - und hat relativ schnell eine Arbeit angeboten bekommen. Jetzt, drei Jahre später, arbeitet sie selbst für das Programm.

"Heimvorteil" des Landlebens - Natur und günstiger Wohnraum

Und was ist der "Heimvorteil" des Sauerlands? Natur, Ruhe, viel Platz und günstige Mieten und Immobilienpreise, sagt Karin Gottfried. Und diesen Heimvorteil scheinen immer mehr Menschen zu schätzen: Die Landbevölkerung wächst leicht, sagt der Politikwissenschaftler Daniel Dettling.

"Die sieben größten deutschen Städte haben in den letzten Jahren netto Einwohner verloren, die ins Umland gezogen sind oder etwas darüber hinaus."
Daniel Dettling, Politikwissenschaftler

Der Politikwissenschaftler nennt das "Glokalisierung" – Menschen leben in Dörfern, sind aber global unterwegs. Via Netz – wenn es eine Verbindung gibt und die auch schnell genug ist – können sie auf alles zugreifen und teilweise auch ihre Arbeit erledigen.

"Allein in Brandenburg um Berlin herum gibt es 50 Co-Working-Hubs: Städte, Gemeinden, ländliche Räume, die Co-Working anbieten und ermöglichen, das man innerhalb eines Radius von 50, 70 Kilometern außerhalb der Großstadt arbeiten kann."
Daniel Dettling, Politikwissenschaftler

Trotz Rückkehrprogrammen gibt es aber außer lahmem Internet noch viele andere Probleme: zu wenige Landärztinnen und wenig oder keine Anbindung an öffentlichen Personennahverkehr, um nur zwei Beispiele zu nennen. Daran muss sich schnell etwas ändern, sagt Daniel Dettling.

In Molise, einer Region südöstlich von Rom, hat der Regionalpräsident sich für neue Bewohner eine Prämie einfallen lassen: Jeder, der nach Molise zieht und ein paar Jahre dort lebt, bekommt 700 Euro pro Monat – drei Jahre lang.