Es ist gerade so winterlich in Deutschland, dass sogar Leute über Wintersport nachdenken, die noch nie auf Brettern gestanden haben. Die gute Nachricht: es ist nie zu spät!

Wenn es um motorische Fähigkeiten geht, gibt es theoretisch keine Altersgrenze. Anders als bei kognitiven Fähigkeiten, da gibt es schon so etwas wie ein perfektes Alter. Sprachen lernen beispielsweise Kinder oder Jugendliche leichter als Erwachsene. Bei motorischen Fähigkeiten dagegen spielt das Alter eine viel geringere Rolle.

"Bei Bewegungsleistungen für den Sport ist das bei Weitem nicht so eine 'Alles-oder-nichts-Situation' wie beim Sprachenlernen."
Joachim Hermsdörfer, Bewegungswissenschaftler TU München

Bewegungswissenschaftler haben bei Menschen im Alter von 60 bis 70 Jahren getestet, wie gut sie noch jonglieren lernen können. Ergebnis: Nicht mehr ganz so schnell und perfekt wie Jugendliche, aber die Lernfähigkeit ist durchaus auch im Alter noch vorhanden.

Nur keine Angst

Bei einer andere Untersuchung sollten junge und ältere Menschen eine Tastatur-Folge eintippen. Das haben die Jungen ohne zu üben schneller hinbekommen als die Älteren. Dann haben alle eine Stunde geübt. Danach waren die Jungen zwar immer noch schneller als die Älteren. Aber die Lernkurve war bei beiden Gruppen gleich. Das heißt, sie haben gleich viel gelernt, nur sind sie auf ihren unterschiedlichen Niveaus geblieben.

Wer älter ist, muss also möglicherweise mehr üben, um auf das gleiche Niveau zu kommen. Gefühlt fällt das Bewegungslernen trotzdem vielen schwerer, zum Beispiel wenn es darum geht, mit Mitte 20 noch mal das Snowboarden anzufangen. Denn neben den motorischen Fähigkeiten spielt auch Angst eine Rolle.

"Die Angst vor Verletzungen nimmt sicher zu, und parallel dazu erhöht sich ja auch tatsächlich die Verletzungsgefahr."
Joachim Hermsdörfer, Bewegungswissenschaftler TU München

Ab einem Alter von circa 25 Jahren lässt die Reaktionsfähigkeit und Beweglichkeit nach. Die Angst davor, sich zu verletzen, schränkt die Beweglichkeit ab einem gewissen Alter zusätzlich ein.

Wer als Kind Skifahren oder Snowboarden gelernt hat, ist auf jeden Fall im Vorteil. Auch wenn er es danach vielleicht 15 Jahre nicht mehr gemacht hat. Das liegt daran, dass wir ein gutes prozedurales Gedächtnis haben. Wir können uns viel besser an Bewegungsabläufe erinnern, als an Vokabeln. Und gerade wenn wir diese früh gelernt haben, ist es einfacher sie wieder abzurufen.