Beyoncé hat allen die Show gestohlen: Coldplay, Bruno Mars, dem Super Bowl selbst. Mit ihrem neuen Song "Formation". Der ist eine Hymne an das schwarze Amerika und Kritik an der Polizeigewalt in den USA. Der Song und das Video sind politisch und provokativ - ein echtes Statement im Popgedudel. Wie glaubwürdig ist Beyonce damit?

Das Video zum Song "Formation" hat Beyoncé kurz vor ihrem Super-Bowl-Auftritt veröffentlicht und ihn dann gleich beim Super Bowl performt - und zwar in einem Kostüm, das an einen Super-Bowl-Auftritt von Michael Jackson 1993 erinnerte. Damit hat Beyoncé einen der ganz, ganz großen schwarzen Musiker unserer Zeit - und ihr Vorbild - zitiert.

DRadio-Wissen-Autorin Hanna Ender war überrascht von Beyoncés Video und dem Super-Bowl-Auftritt. Für sie war Queen Bey bislang eher die perfekte Oberfläche, sexy, nett, skandalfrei. Ihre Botschaften richtete sie zwar an Frauen und sie projizierte auch gerne mal den Schriftzug "Feminist" hinter sich an die Wand bei Auftritten, aber dass Beyoncé sich explizit zur Polizeigewalt gegen Schwarze geäußert hat, das gab es bislang nicht.

"Ich bin kein großer Beyoncé-Fan, weil ich sie immer sehr mainstreamig finde, mit Beyoncé kann man nix falsch machen. Aber dann habe ich das Video gesehen, und es hat mich richtig umgehauen."
Hanna Ender, DRadio Wissen

Auch äußerlich gibt es Künstlerinnen, die sich offener zu ihren afro-amerikanischen Wurzeln bekennen. Einen davon ist zum Beispiel Beyoncés Schwester Solange, die Afro trägt und in New Orleans lebt. Zum Vergleich: Beyoncés Haare sind meist wellig, blond, und sie lebt in teuren Apartments in Hollywood und New York.

Vornehme Zurückhaltung der Queen Bey?

Als 2012 der schwarze Jugendliche Trayvon Martin von dem selbsternannten Nachbarschaftswächter George Zimmermann in Florida erschossen wurde, hat Beyoncé gemeinsam mit Jay Z an Protestmärschen in New York teilgenommen. Weiter dazu äußern, wollte sie sich damals nicht. Ähnlich war das, als der Jugendliche Michael Brown in Ferguson von einem Polizisten erschossen wurde, da schrieb Beyoncé zwar bei Facebook "You are forever in our hearts" - dabei blieb es dann aber auch.

In ihrem neuen Video "Formation" geht sie jetzt auf alle diese Ereignisse ein - und noch darüber hinaus: Ein Kind tanzt vor einer mit Schlagstöcken bewaffneten Polizei-Einheit, im Hintergrund steht das Graffitti "Don't shoot us". Damit bezieht sie sich auf die Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA.

Back to the roots

Sie thematisiert ihre eigenen Wurzeln: "My Daddy Alabama, Mama Louisiana. You mix that Negro with that Creole make a Texas bama". Und sie thematisiert den Hurricane Katrina, der 2005 New Orleans getroffen hat. Die Kritik damals: Die Hilfe sei so schlecht angelaufen, weil vor allem schwarze, wenig betuchte und ältere Menschen von den Folgen des Hurricane betroffen waren. In "Formation" zeigt sich Beyoncé in Südstaaten-Klamotten und spielt damit auf die einstige Versklavung der Afroamerikaner an.

In dem Video hat auch Beyoncés Tochter Blue Ivy einen kurzen Auftritt - mit Afro. Lange Zeit galt krauses Haar in der schwarzen Community als Stigma, sogar Michael Jackson hat sich seine Haare geglättet. Mit einer Songzeile wie "I like my baby hair, with baby hair and afros. I like my negro nose with Jackson Five nostrils", will sie Afroamerikaner dazu ermutigen ihre Identität zu zeigen.

Wie authentisch ist Beyoncé?

Ob Beyoncé es mit ihrer neuen Message ernst meint, wird sich in Zukunft zeigen. Könnte ja auch sein, dass sie einfach nur ihre neue Tour promoten will. Es kann aber auch sein, dass Beyoncé sich jetzt mit Mitte 30 als Künstlerin richtig findet. Vor einigen Jahren hat sie ihren Vater als Manager gefeuert und die Zügel selbst in die Hand genommen. Auf ihrem letzten Album "Beyoncé" thematisierte ihr Frausein, Sexyness und Mutterschaft. Möglicherweise kommt nach der sexualisierten Beyoncé jetzt die poltische Beyoncé. Leisten könnte sie es sich: Als Künstlerin hat sie alles erreicht und nichts zu verlieren.