Ein Land wie ein Club – Bhutan liegt am Rand des Himalayas und möchte gerne exklusiv bleiben. Jetzt können seine Landschaften wieder bereist werden. Die Schönheit hat einen stolzen Preis.

Bhutan öffnet seine Grenze wieder für Touristen. Allerdings hat die Regierung die Touristensteuer nun drastisch erhöht. Besucherinnen und Besucher müssen nun rund 200 Euro pro Tag zahlen — ohne eine materielle Gegenleistung zu erhalten. Die Regierung in der jungen Demokratie nennt das die Gebühr für nachhaltige Entwicklung.

Bhutan
liegt am Rand des Himalayas zwischen China und Indien. Die beinahe unverbaute Landschaft und die Tierwelt machen es touristisch so attraktiv. Umweltschutz gehört da zur Staatsräson. Als einziges Land weltweit weist Bhutan eine negative Co2-Bilanz auf.

Verschlossenheit als Programm

Bhutan war schon vor der Covid-Pandemie ziemlich verschlossen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Charlotte Horn. Erst seit 1999 sind private Fernseher zugelassen.

Die Höhe der Gebühr lag vor der Pandemie bei rund 65 Euro. Das Geld wird für Umweltschutz, Bildungsprojekte, Gesundheitsversorgung und Armutshilfe aufgewendet.

Naturschutz als Regierungsziel

Der Reiseveranstalter Wolfgang Keller geht davon aus, dass das Geld aus der Tourismusgebühr in Bhutan mit größerer Wahrscheinlichkeit an der richtigen Stelle ankommt. Anders als beispielsweise im benachbarten Nepal. Ein Land, das im unter dem Massentourismus leidet.

"Mein Eindruck ist, dass das Geld nicht so versandet wie in Nachbarländern wie zum Beispiel Nepal, wo die Korruption sehr stark ist."
Wolfgang Keller, Reiseveranstalter

Vor der Pandemie haben rund 30.000 Menschen Jahr für Jahr besucht. Während der Corona-Pandemie hatte sich Bhutan zweieinhalb Jahr abgeschottet. Rund 750.000 Menschen leben dort. Die konsequente Isolation während der Pandemie hat dem Land sehr niedrige Zahl Infektionszahlen und Todesfällen in Folge von Covid-19-Erkrankungen beschert. Verglichen mit der Zeit vor der Pandemie haben Reisende nun mehr Wahlmöglichkeiten bei den Unterkünften, sagt Charlotte Horn.

Höhere Gebühren, weniger Tourist*innen

Einnahme aus dem Tourismus hatte das Land in dieser Zeit allerdings, wenn überhaupt, dann nur geringfügig. "Bhutan braucht einfach nach der Pandemie Geld", sagt Wolfgang Keller. Er ist sich nicht sicher, ob die höheren Gebühren eine gute Idee sind. Er hält es für denkbar, dass sich die Zahl der Touristen halbiert. Weniger Touristen bräuchten eben auch weniger Dienstleistungen. Das bedeute dann für die einzelnen Markteilnehmer in Bhutan geringere Umsätze.

"Natürlich befürchten viele, die gerade im Tourismus arbeiten und davon leben, dass mit den hohen Gebühren auch weniger Urlauber kommen."
Charlotte Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin