In Bayern ist unter dem Titel "Rettet die Bienen" ein Volksbegehren gestartet. Die Initiatoren wollen nicht nur Bienen, sondern Insekten insgesamt und andere Tiere retten. Wenn in zwei Wochen eine Million Unterschriften zusammenkommen, kann es einen Volksentscheid geben.

Die Initiatoren des Volksbegehrens in Bayern "Rettet die Bienen" haben die Biene sicherlich als Etikett genommen, weil sie in den vergangenen Jahren zum Sinnbild des Insektensterbens geworden ist und viele Fürsprecher gewonnen hat. Mit der Aktion wollen sie aber nicht nur Bienen retten, sondern haben in Summe Insekten im Blick und auch andere Tiere. 

Für den nachweislichen Rückgang der Insekten machen die Initiatoren vor allem Pestizide, landwirtschaftliche Monokulturen und Flurbereinigungen verantwortlich, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Watzke. Erreichen wollen sie Gesetzesänderungen. 

"Ziel des Volksbegehrens: Die Mindestfläche für den ökologischen Anbau soll im Jahr 2030 in Bayern mindestens 30 Prozent betragen. Derzeit sind es unter 10 Prozent."
Michael Watzke, Deutschlandfunk Nova, über das Ziel der Initiatoren des Volksbegehrens "Rettet die Bienen"

Die Initiatoren wollen aber auch, dass die bayerische Staatsregierung das Bayerische Naturschutzgesetz ändert und Biotope besser vernetzt. Vor allem Uferrandstreifen, kleine Hecken zwischen Feldern und Wäldchen sollen mehr Schutz bekommen. Das soll nicht nur Bienen retten, sondern auch Igel, Singvögel und viele andere heimische Tiere.

Auch Prominente unter den Unterstützern

Angestoßen hat das Volksbegehren die ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei). Sie hat seit Anfang 2018 rund 100.000 Unterschriften für das Volksbegehren zur Bienenrettung gesammelt. Viele Parteien und Organisationen haben sich als Unterstützer angeschlossen, darunter die Grünen, der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz, der Imkerverband. Aber auch die katholische Kirche, regionale Banken und Prominente wie Schauspieler Florian David Fitz, Regisseur Marcus Rosenmüller und die Musiker von La Brass Banda. Also tatsächlich ein breites Bündnis.

Kritik kommt vom Bauernverband

Der Bayerische Bauernverband nennt das Volksbegehren "Bauernbashing".  Es werde Stimmung gegen Landwirte gemacht und nach neuer Reglementierung gerufen, sagt Bauernpräsident Walter Heidl. Er kritisiert vor allem die geforderte Mindestfläche für den ökologischen Anbau. 

"Eine solche Ausdehnung des Ökolandbaus per Gesetz endet in einem Desaster für den Markt für regionale Bio-Erzeugnisse."
Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes

Walter Heidl sagt, dass für Bio-Artikel schlicht die Nachfrage fehle.

Allerdings gibt es auch Bauern, die das Volksbegehren unterstützen: Zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die kleine Betriebe vertritt. Sie sieht im Ausbau der Ökolandwirtschaft die Chance, endlich das Höfesterben in Bayern zu beenden. In den vergangenen 30 Jahren mussten in Bayern die Hälfte der Landwirtschaftsfamilien ihren Hof aufgegeben.

Interessant wird, wie sich Ministerpräsident Markus Söder in der Sache positionieren wird. Er hatte angekündigt, die CSU grüner zu machen. Allerdings sehen er und seine Partei das Volksbegehren sehr skeptisch. Sie fürchten, die Gesetzesänderungen könnten dazu führen, dass insbesondere kleinere landwirtschaftliche Betriebe aufgeben müssten, sagt unser Bayern-Korrespondent Michael Watzke. Und das seien die, die sich vor allem um den Naturschutz in Bayern kümmerten. 

"Strategisch gesehen, will Söder erst mal abwarten, wie sich das Volksbegehren entwickelt."
Michael Watzke, Deutschlandfunk Nova

Die Initiatoren jedenfalls sind entschlossen, innerhalb der kommenden zwei Wochen eine Million Unterschriften zusammenzubekommen. Leicht wird das nicht: Sie brauchen jeden zehnten Wahlberechtigten. Und die Eintragung ist kompliziert, weil man dazu extra ins Rathaus muss. In den bayerischen Städten ist der Zuspruch zwar groß, auf dem Land sehe das aber anders aus, so Michael Watzke. 

Das "größte Artensterben seit den Dinosauriern"

Ob griffige Formeln der Initiatoren viele motivieren, wird sich zeigen. Sie sprechen vom größten Artensterben seit den Dinosauriern. Das lässt sich wissenschaftlich nicht seriös belegen, sagt Michael Watzke. Was sich aber belegen ließe: Die Zahl der Insekten ist in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen. 

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