Bienenwachstücher gelten als nachhaltige Alternative zur Frischhaltefolie. Allerdings sollte man auf die Zusammensetzung der Tücher achten und auch nicht jedes Lebensmittel damit einpacken.

Längst sind sie kein Nischenprodukt mehr: Bienenwachstücher findet man in jedem Drogeriemarkt, auch schon in einigen Supermärkten. Meistens bestehen die Tücher aus Baumwolle und sind mit Bienenwachs beschichtet. Um die Beschichtung geschmeidiger zu machen, werden noch Harz oder verschiedene Öle hinzugefügt.

Durch die Handwärme formen sich die Tücher je nach Wunsch und können dann als Ersatz für eine Frischhaltefolie genommen werden, um darin Lebensmittel einzupacken und so länger haltbar zu machen. Viele schwören auf die Tücher, da sie genauso gut frisch halten wie herkömmliche Frischhaltefolie und als wiederverwendbare Alternative zur Einweg-Frischhaltefolie aus Plastik funktionieren.

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Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat im April allerdings die Warnung herausgegeben, dass durch die Tücher schädliche Substanzen auf die darin eingepackten Lebensmittel übergehen könnten. Deshalb sollte man sich bei gekauften sowie bei selbstgemachten Tüchern genau anschauen, welche Stoffe enthalten sind.

Verschiedene Gefahrenquellen

Laut der Experten kann das Bienenwachs, mit dem die Tücher imprägniert sind, Mineralölbestandteile enthalten. Und zwar dann, wenn in der industriellen Herstellung das teure Bienenwachs mit günstigem Paraffin aus Erdöl gestreckt ist, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau. Als Öl, mit dem die Tücher geschmeidiger gemacht werden, wird oft Jojoba-Öl verwendet. Tierversuche haben hier gezeigt, dass das Öl eine toxische Wirkung auf Darmzellen haben kann.

"Bienenwachs kann zum Beispiel Mineralölbestandteile enthalten. Das passiert, wenn das teuere Bienenwachs mit günstigem Paraffin, was aus Erdöl kommt, gestreckt wird."
Nico Rau, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Eine andere Gefahrenquelle: Die Bienen können bereits beim Nektarsammeln Pestizide aufnehmen, weil die Pflanzen beispielsweise gespritzt wurden. Auch diese Schadstoffe landen schlussendlich im Wachs und somit in den Lebensmitteln.

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Wer seine Bienenwachstücher nicht kauft, sondern selbst macht, sollte zusätzlich zum Wachs auch auf die Stoffreste achten, die man benutzt. Die krebserregenden Bestandteile aus der Druckfarbe der gefärbten Textilien können ebenfalls auf die Lebensmittel übergehen, warnt Nico Rau.

Auf Bio-Wachs und Bio-Baumwolle achten

Deshalb rentiert es sich, beim Kauf der Tücher oder der einzelnen Bestandteile auf Bioqualität zu achten. Außerdem sollten nicht alle Lebensmittel mit Bienenwachstüchern verpackt werden. Fettige Lebensmittel wie Wurst oder Käse eigenen sich beispielsweise nicht, da sich durch das Fett die Öl- oder Wachsbestandteile aus dem Tuch lösen können und so in den Lebensmitteln landen.

"Man sollte nur Tücher mit Bio-Bienenwachs und Bio-Baumwolle kaufen und vor allem ohne Jojoba-Öl."
Nico Rau, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch frisches Fleisch oder frischen Fisch sollte man nicht mit Bienenwachstüchern einpacken, da das Wachs bereits bei 62 Grad schmilzt und die Temperatur nicht ausreicht, um mögliche Keime der Lebensmittel zu töten. Stattdessen können Obst- und Gemüsestücke wie eine Paprika oder ein Apfel im Wachstuch landen.

Je häufiger die Nutzung, desto besser die Ökobilanz

Genaue Zahlen, wie sich die Ökobilanz von Bienenwachstüchern im Vergleich zu einer Frischhaltefolie aus Plastik unterscheidet, gibt es laut Eugen Herzau noch nicht. Er leitet den Lehrstuhl Verpackungstechnologie und Nachhaltigkeit an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig.

Klar: Frischhaltefolie besteht aus Polyethylen, dessen Ausgangsstoff aus dem endlichen Rohstoff Erdöl hergestellt wird. Doch für viele Anwendungen sei Eugen Herzaus Meinung nach die Frischhaltefolie immer noch eine gute Lösung, wenn es um die Ökobilanz geht. Denn im Idealfall würde die Frischhaltefolie in der gelben Tonne landen und recycelt werden.

"Für viele Anwendungen ist die Frischhaltefolie auch eine super Lösung, die möglicherweise in der Ökobilanz-Betrachtung sogar besser abschneidet."
Eugen Herzau, Lehrstuhl für Verpackungstechnologie und Nachhaltigkeit an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig

Wichtig bei der Diskussion um eine Ökobilanz ist deshalb auch immer die Frage: Wie häufig nutze ich den Gegenstand? Eine Baumwolltasche hat erst nach der 30. Nutzung die gleiche Bilanz wie eine Plastiktasche. Ähnliches gilt auch für das Bienenwachstuch: Je häufiger es genutzt wird, desto besser ist auch seine Ökobilanz.