Der Begriff Sklaverei lässt uns schnell an die USA des vergangenen Jahrhunderts oder an die europäische Kolonialgeschichte denken. Aber Sklaverei gibt es noch immer - und überall, auch bei uns. Laut dem Global Slavery Index sind weltweit mehr als 40 Millionen Menschen Opfer moderner Sklaverei. Die Mitautorin des Berichts, Stella Freitag, erläutert die Zahlen und erklärt, wie sie erhoben werden.

Man mag sich gar nicht vorstellen, dass es so etwas überhaupt noch gibt: Menschen, die gegen ihren Willen festgehalten werden, zum Arbeiten oder zu Sex gezwungen, bedroht, entrechtet, ausgebeutet. Gut 40 Millionen Menschen soll es weltweit so gehen - das ist fast so viel wie die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands. 

Zig Millionen von Menschen leben unter sklavereiähnlichen Bedingungen

40,3 Millionen Menschen waren laut dem Global Slavery Index 2018 der Walk Free Foundation im Jahr 2016 Opfer moderner Sklaverei. Das heißt, sie wurden etwa zum Arbeiten gezwungen oder mussten gegen ihren Willen heiraten. Unter dem Begriff "Moderne Sklaverei" wird nämlich nicht nur die klassische Form von Sklaverei oder Leibeigenschaft verstanden, sondern auch sklavereiähnliche Praktiken wie zum Beispiel Schuldknechtschaft, Kinderarbeit oder Zwangsprostitution.

"Moderne Sklaverei ist eine Situation der Ausbeutung, der man nicht entkommen kann."
Stella Freitag, Walk Free Foundation

Mit 71 Prozent aller Betroffenen sind Frauen und Mädchen besonders von moderner Sklaverei betroffen, sagt Stella Freitag. Ein weiteres Ergebnis des jährlichen Berichts: Konflikte tragen zum Ausmaß moderner Sklaverei bei, und Migranten sind besonders gefährdet, Opfer zu werden. 

Konflikte befördern Sklaverei

Diese und weitere Ergebnisse stellt Freitag in ihrem Vortrag vor, in dem sie auch erklärt, wie diese Zahlen zustande kommen, wer an der Erhebung beteiligt ist und welche Lücken der Bericht hat. Es gibt nämlich auch Kritik daran, und möglicherweise liegen die Zahlen noch erheblich höher als vermutet.  

"Moderne Sklaverei gibt es in allen Ländern dieser Welt - auch in Deutschland. Wir sehen immer wieder Fälle davon."
Stella Freitag, Walk Free Foundation

Stella Freitag ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Walk Free Foundation, einer privat finanzierten Stiftung mit Sitz in Australien, die sich der Beendigung des Sklavenhandels verschrieben hat und dafür unter anderem jährlich Berichte über Sklaverei in der Gegenwart herausbringt, teilweise in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und in Kooperation mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM). 

Ihren Vortrag "Moderne Sklaverei – Konzept, globales Ausmaß und Brennpunkte" hat sie am 7. November 2018 beim Symposium "Die Wiederkehr der Sklaven" gehalten, das die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz in Kooperation mit der Universität Hamburg veranstaltet hat.

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