Gemüse im Supermarkt, Smartphones oder Make-up – überall steckt Arbeit von Menschen drin, die unter sklavenähnlichen Bedingungen leben. Der Malteserorden fordert deshalb das Label "Sklaverei frei" für alle Waren und Dienstleistungen.

Bei der modernen Sklaverei geht es um Menschen, die in Arbeitsverhältnisse durch Dritte oder potenzielle Menschenhändler meist in ein anderes Land vermittelt werden. Dabei werden sie gezielt getäuscht in Bezug auf die Arbeit, die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen. Unter dieser Form der modernen Sklaverei leiden rund 40 Millionen Menschen weltweit. Und ihre Arbeit steckt in so gut wie jedem Produkt, das wir kaufen.

Moderne Sklaverei steckt schon in den Rohstoffen

Moderne Sklaverei steckt schon in den Rohstoffen, die für Produkte unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen werden. Für uns ist es schwer nachzuvollziehen, woher die Rohstoffe stammen und unter welchen Bedingungen sie gewonnen wurden, sagt Anna Coliet vom Netzwerk "Made in a Free World".

"The truth is that slavery goes into so many of the products we use on a daily basis. And one of the kind of biggest factors in all this is that we have very little understanding of where the raw materials of the products that we use come from."
Anna Coliet vom Netzwerk "Made in a Free World" über moderne Sklaverei

Zum Beispiel kann das T-Shirt, das wir kaufen, unter menschenwürdigen Bedingungen zusammengenäht worden sein, aber die Baumwolle, aus dem es besteht, ist vielleicht nicht unter fairen Bedingungen angebaut und verarbeitet worden, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anke van de Weyer. Ähnlich ist es bei den mineralischen Bestandteilen im Make-up oder in der Sonnencreme. Die Hersteller verschweigen gerne, unter welchen Bedingungen diese Rohstoffe abgebaut werden, sagt Anke.

"Sonnencreme mit mineralischem Lichtschutzfaktor ist gerade ziemlich im Trend, weil sie besser für die Umwelt und die Haut sein soll als synthetische Filter. Aber unter Umständen hergestellt unter menschenunwürdigen Bedingungen."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

In Europa herrschen in der Fleischindustrie oder im Obst- und Gemüseanbau sklavenähnliche Zustände. Zum Beispiel erstrecken sich in der spanischen Provinz Almeria auf 400 Quadratkilometern Anbauflächen und Gewächshäuser. Auf dieser riesigen Fläche arbeiten 130.000 Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen. Die Produzenten sparen an den Löhnen, um im Preiskampf mit deutschen Supermarktketten bestehen zu können. Wir profitieren von den günstigen Preisen. Die ARD-Doku "Europas dreckige Ernte" hat diese Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen, Produzenten, Händlern und Verbrauchern aufgezeigt.

"Es gibt Chefs, die uns misshandeln. Die behandeln die Leute wie Tiere. Ich hatte einen Chef, der wollte, dass wir mehr arbeiten. Kostenlos. Ich hab gesagt, ich kann nicht kostenlos mehr arbeiten. Und er sagte, doch, hier in Spanien muss man zehn Stunden ohne Entlohnung arbeiten."
Arbeiter aus Mali, der in Spanien als Erntehelfer arbeitet

Noch problematischer sind sogenannte Konfliktrohstoffe wie Coltan oder Zinnerz, die nicht nur unter sklavenähnlichen Bedingungen gewonnen werden, sondern auch noch aus Konflikt- oder Hochrisikogebieten stammen. 

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Wenn ihr wissen wollt, wie viele moderne Sklaven für euch arbeiten, könnt ihr das auf slaveryfootprint.org recherchieren. Der Malteserorden appelliert an die Politik und Wirtschaft, gegen Menschenhandel vorzugehen und das Label "Sklaverei frei" zu schaffen.

Mehr über moderne Sklaverei bei Deutschlandfunk Nova: