Digital war gestern: In Berlin gibt es einen Laden, in dem sich alles um das analoge Fotografieren dreht – sozusagen als Gegenbewegung zur reinen Funktionalität der digitalen Fotografie. Dort gibt es zum Beispiel Filme für analoge Kameras – und wenn die verknipst sind, können sie die Kundinnen und Kunden zum Entwickeln vorbeibringen. Wir haben unseren Reporter Yannik Hannebohn hingeschickt. 

Mirko Böddecker ist der Geschäftsführer von "Foto Impex". In seiner Hand hält er eine alte Kamera. Er ist der Meinung, dass der Gebrauch von  Kameras wie dieser eine ganz andere Art von Bildern entstehen lässt – weil die Motive sorgsamer ausgewählt werden müssen. Denn so ein Film ist nach 36 Bildern voll. 

Mirko Boddecker, der Geschäftsführer von Foto Impex
© Deutschlandfunk Nova | Yannic Hannebohn
Mirko Böddecker, der Geschäftsführer von Foto Impex
"Dann nimmt man die Kamera hoch, korrigiert das Motiv noch mal. Man muss sich limitieren, man hat ja nur 36 Aufnahmen. Diese Selektion, die da stattfindet, das ist einfach eine andere Art, den Workflow zu organisieren."
Mirko Böddecker über analoge Fotografie

Und wenn die Bilder erst mal entwickelt vor einem liegen, dann ist das Erinnern an das, was auf den Bildern zu sehen ist, auch anders. Es ist intensiver – das findet zumindest Anja, die eine Pocketkamera von ihrem Vater geerbt hat und die dazugehörigen Filme ebenfalls im Laden von Mirko Böddecker kauft. 

Verkauf von Filmen für Analogkameras nimmt zu

Mirko Böddecker hat unseren Reporter Yannic Hannebohn mit nach Bad Saarow in Brandenburg genommen – hier hat die Firma ebenfalls ein Büro. Er erzählt Yannic, dass das Geschäft gut laufe: In den vergangenen drei Jahren hätten sie pro Jahr rund 20 Prozent mehr Filme verkauft. Noch in diesem Jahr will Mirko Böddecker mit seinem Team einen eigenen Film auf den Markt zu bringen. Seit zehn Jahren tüfteln sie an diesem Produkt.  

"Da forschen wir jetzt seit fast zehn Jahren dran. Am Anfang ist das nicht so leicht wie jetzt. Da musst du tausend Tests machen, bis du die Rezeptur erarbeitet hast."
Mirko Böddecker über die Entwicklung eines eigenen Films

Um das Jahr 2000 ist die analoge Fotografie gestorben – vorläufig

Während der Wendezeit war Mirko Böddecker etwa 20 und wollte eigentlich nur weiter günstig fotografieren – aber aus Osteuropa kamen keine Filme mehr und zehn Jahre später auch immer weniger aus Deutschland. Denn die Digitalisierung brach um das Jahr 2000 herum vielen Fotofirmen das Genick. Für Agfa, Ilford und Kodak war das Massengeschäft vorbei.

Mirko Böddecker fuhr damals los und kaufte den insolventen Firmen ihre Maschinen ab – die kleinen, nicht die großen Maschinen. Denn die waren optimal für den Markt, den Mirko heute bedient: Fotoliebhaber, Enthusiasten und seit neustem eben auch Hipster.

Die Kamera von Opa testen

Mirko Böddecker sagt, dass viele Kunden zwischen 20 und 22 Jahre alt sind und bisher absolut keinen Bezug zur analogen Fotografie hatten. Aber die Leute haben eine Kamera von ihrem Opa auf dem Dachboden gefunden. Und diese Kamera wollen sie nun mal testen. 

Der Verkaufstisch mit einem Regal voller Filme im Hintergrund
© Deutschlandfunk Nova | Yannic Hannebohn
Der Verkaufstisch mit einem Regal voller Filme im Hintergrund

Also kommen sie in den Laden zu Mirko Böddecker, der allerdings für einen verkaufen Film zum Preis von 2,90 Euro oft auch lange Beratungsgespräche führen muss. Immerhin kommen die Käufer dann mindestens noch einmal: nämlich um den Film entwickeln zu lassen. 

"Und dann müssen wir für 2,90 Euro, die der Film kostet, eine halbe Stunde Beratungsleistung erbringen."
Mirko Böddecker über den Alltag mit Kunden

Mirko Böddecker glaubt, dass die Hinwendung zur analogen Fotografie mit einer digitalen Übersättigung zu tun hat, die bei den Konsumentinnen und Konsumenten zu dem Gedanken führt: Jetzt lege ich das Ding mal weg. Und gemeint ist damit das Smartphone. 

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