Friedrich Ostendorff, Agrarexperte der Grünen im Bundestag, will einen Mindestpreis für Fleisch. Ziel ist es, die Tierhaltung zu verbessern. Kann diese Idee funktionieren?

Im Supermarkt um die Ecke bezahlt man pro Kilo Schweinenackensteak 3,99 Euro. Skandalös wenig. Solche Dumpingpreise finden viele blöd, auch Friedrich Ostendorff. Seinen Vorschlag, einen Mindestpreis für Fleisch einzuführen, finden aber - ebenfalls viele - etwas drastisch.

Auch Anton Hofreiter, der Ostendorff bereits zurückgepfiffen hat. Hofreiter will statt des Mindestpreises "Marktstrukturen fairer gestalten und die Fördergelder neu verteilen". Auch Agrar-Ökonom Achim Spiller von der Uni Göttingen glaubt nicht an den Erfolg von Ostendorffs Vorstoß. Er hält den Mindestpreis für wenig praktikabel, weil wir dann für jedes Produkt auf dem Fleischmarkt einen eigenen Preis ausloben müssten.

"Die Idee von Ostendorff ist nett gemeint, kann aber nicht funktionieren. Weil der Fleischpreis losgelöst ist von dem, was der Landwirt bekommt."
Achim Spiller, Agrar-Ökonom Uni Göttingen

Spiller ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, außerdem Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Tierwohllabels des Deutschen Tierschutzbundes.

Quotenregelung für Fleisch?

Eigentlich solle es um die Landwirte gehen, so Spiller. Diese würden von einem Fleisch-Mindestpreis aber nicht profitieren. Über den Markt – also die Konsumenten – könne kein Mehrerlös bei den Landwirten erzielt werden. Wir müssten andere Instrumente finden, die Fleischproduktion zu drosseln, also das Angebot zu verringern. Eine Quotenregelung einzuführen, sei aber schon bei der Milch schiefgegangen, so Spiller.

"Eine Quotenregelung führt zu erheblichen Nebenwirkungen – Beispiel: die riesigen Milch- und Butterseen."
Achim Spiller

Es gebe einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Eier- und dem Fleischmarkt, sagt Spiller.

Unterschiedliche Märkte: Eier und Fleisch

Bei den Eiern herrsche eine klare Kennzeichnungspflicht der verschiedenen Haltungssysteme. Der Gesetzgeber habe über eine klare Kennzeichnung deutlich gemacht: Käfighaltung wollen wir nicht mehr haben in Europa.

"Bei den Eiern zahlen 30 Prozent der Verbraucher freiwillig mehr für Freiland- und Biohaltung. Auf dem Fleischmark sind es 1 bis 2 Prozent."
Achim Spiller

Das habe entscheidend damit zu tun, dass die jeweiligen Haltungsbedingungen für den Verbraucher nicht erkennbar seien. Jeder könne irgendwas draufschreiben. Die Politik habe bei der Kennzeichnungspflicht für Fleisch nicht genug getan. Auf die Initiativen, die es bisher gab, sei die Branche nicht aufgesprungen.

"Der Bundesminister hat gesagt, er will ein staatliches Tierschutzlabel einführen. Das wäre ein gutes Signal."
Achim Spiller