Lachen Delfine? Biologe Tim Hüttner arbeitet mit den Tieren seit über 12 Jahren und sagt Nein. Im Gespräch erzählt der Delfinforscher, wie das Wohlbefinden der Tiere gemessen werden kann.

Schon als Grundschüler war für Tim Hüttner klar: "Ich werde Meeresbiologe." Von klein auf war er begeistert von den intelligenten Tieren. Besonders spannend findet er, dass sie als Säugetiere und Landlebewesen im Laufe der Evolution zurück ins Meer gewandert sind.

"Die perfekte Anpassung an das Leben im Wasser, die Schnelligkeit, Intelligenz, Aufgeschlossenheit gegenüber dem Menschen und Lernfähigkeit – all das fasziniert mich an Delfinen, Walen und Robben."
Tim Hüttner, Biologe

Tim Hüttner arbeitet als Biologe im Tiergarten Nürnberg, wo es auch Delfine gibt. "Genauer gesagt große Tümmler", erklärt der Delfinforscher. Für die Bachelor-, Master- und Doktorarbeit hat Tim Hüttner die Delfine im Tiergarten beobachtet.

Biologe und Delfinforscher Tim Hüttner
© Tim Hüttner
Tim Hüttner forscht an den Delfinen im Tiergarten Nürnberg

Thema seiner Doktorarbeit war das Sinnessystem der Delfine. In seiner Doktorarbeit, die er an der Uni Rostock geschrieben hat, hat Tim Hüttner nachgewiesen, dass große Tümmler in der Lage sind, elektrische Felder im Wasser wahrzunehmen. Der Fachbegriff heißt Elektrorezeption. Elektrische Felder werden durch andere Lebewesen im Wasser erzeugt. Diese wahrzunehmen, hilft Delfinen bei der Jagd.

Delfine kennen Charaktere ihrer Trainer und sind selbst Persönlichkeiten

Im Nürnberger Tiergarten leben derzeit sechs weibliche große Tümmler, die Tim Hüttner inzwischen seit 12 Jahren kennt - denn schon als Praktikant hat er dort gearbeitet. Bei der Geburt von Nami war Tim Hüttner vor acht Jahren dabei. Damals wog das Deflinkalb ungefähr 12 Kilo. Es sei toll, die Entwicklung verfolgen zu können. Heute wiegt der Delfin rund 200 Kilo.

"Die Nami wird bald acht Jahre alt, die kenne ich, seit sie auf der Welt ist. Da hatte ich das große Glück, dass ich bei der Geburt dabei sein durfte."
Tim Hüttner, Delfinforscher

Die Delfine kennen auch Tim Hüttner. In erster Linie würden sie ihre Trainer und Tierpflegerinnen kennen, die jeden Tag mit den Tieren arbeiten, erklärt er. "Die kennen auch die Charaktere ihrer Trainer und wissen, bei wem sie sich mal ein bisschen mehr erlauben können." Jeder Delfin habe eine eigene Persönlichkeit, manche seien eher gelassen und entspannt, "wir haben auch so kleine Rabauken", ergänzt er.

Inzwischen arbeitet Tim Hüttner mit anderen Kolleg*innen in verschiedenen Forschungsprojekten, die nicht immer mit Delfinen zu tun haben, sondern auch mit den anderen Tierarten im Tiergarten.

Wohlbefinden von Delfinen messen

Mit einem internationalen Forschungsteam arbeitet er an der Entwicklung eines Tools, das das Wohlbefinden von Delfinen wissenschaftsbasiert in seiner Gesamtheit messen kann. Damit sollen auch die Haltungsbedingungen, wie Delfine in Europa gehalten werden müssen, überprüft werden.

Delfine zu halten wie im Nürnberger Tiergarten, wird von Tierschützern immer wieder kritisiert. Ein Kritikpunkt sei, dass die Tiere in Freiheit bis zu 300 Kilometer am Tag schwimmen. Diese Möglichkeit hätten sie in Gefangenschaft nicht.

Der Delfinforscher erklärt, dass es vorkomme, dass Delfine so viele Kilometer zurücklegen, aber nicht täglich. Delfine würden solche Strecke nur zurücklegen, um Futter zu finden, Fressfeinden auszuweichen oder paarungswillige Weibchen zu suchen. Der Grund der Futtersuche fällt im Tiergarten weg, weil die Delfine dort von den Pflegern und Pflegerinnen gefüttert werden. "Wenn alles vorhanden ist, bleiben die Delfine da, wo sie sind, weil es ihnen da gut geht", sagt der Delfinforscher.

"Ich bin davon überzeugt, dass es den Delfinen im Tiergarten gut geht."
Tim Hüttner, Biologe

Die Weltnaturschutzunion IUCN habe mit dem Programm One Plan Approach erklärt, dass nicht mehr zwischen den Tieren, die in freier Wildbahn und denen, die im Zoo leben, unterschieden werden soll. "Sie sollen als eine große Metapopulation betrachtet werden", so der Biologe.

Internationaler Austausch zur Arterhaltung

Der Austausch zwischen den Spezialist*innen, die in der Natur mit den Tieren arbeiten, und denen, die in Tiergärten und Zoos Tiere versorgen, sei sehr wichtig. Es gehe um die Weitergabe von zum Beispiel medizinischem Wissen oder Wissen rund um die Sinnessysteme der Tiere. "Sie sollten ihre Expertise bündeln, um Artenschutz so effektiv wie möglich zu gestalten", sagt Tim Hüttner.

"Delfine haben keine Mimik, die lachen nicht, die sehen genauso aus, wenn sie stinkig sind."
Tim Hüttner, Biologe

Im Gespräch mit Sebastian Sonntag erzählt Tim Hüttner über die 40 verschiedenen Delfinarten, ihr Sozialleben, ihre Fähigkeiten, Paarungs- und Jagdverhalten, Kommunikation, Stimmungen, Sinnessysteme, Intelligenz von Delfinen und über seine verschiedenen Forschungsgebiete. Einfach oben auf den Playbutton klicken und das ganze Gespräch hören.

  • Moderator:  Sebastian Sonntag
  • Gesprächspartner:  Tim Hüttner, Biologe