Zwei Hauskatzen haben nachweislich an Leichen genagt. Eigentlich sind andere Tiere auf menschliche Überreste spezialisiert. Der Kriminalbiologe Mark Benecke kennt Fraßspuren an Leichen – auch von Haustieren.

Menschliche Leichen sind für Hauskatzen auch nur Nahrung. US-Forschende haben eine Studie zum Fressverhalten zweier streunender Hauskatzen veröffentlicht. Diese sind mehrfach in eine Body Farm - einem Gelände für wissenschaftliche Studien - in Whitewater in Colorado eingedrungen.

Aufnahmen von Wildkameras zeigen, dass die beiden Katzen über einen längeren Zeitraum an zwei Leichen gefressen haben. Dabei haben sie sich eher frische Körper auf der Body Farm ausgesucht und haben bevorzugt weiches Gewebe vertilgt – unter anderem an den Armen und am Rumpf.

Leichen als Kalorienquelle

Auf der Body Farm beobachten und erforschen Forensiker die Verwesung menschlicher Körper. Ziel ist es unter anderem bei Verbrechensopfern den Todeszeitpunkt präziser feststellen zu können. Für den Kriminalbiologen Mark Benecke ist das Verhalten der beiden Katzen erwartbar. Für sie sei ein menschlicher Körper eben nichts anderes als eine Kalorienquelle im Kreislauf des Lebens.

"Katzen mögen lieber das weiche und frische Gewebe. Je fauliger eine Leiche wird, umso mehr Bakterien sind darauf. Und dann schmeckt die natürlich auch anders."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Katzen sind Gewohnheitstiere. Wenn sie sich einmal mit irgendwas angefreundet haben – in dem Fall mit dem Leichnam – bleiben sie dabei, sagt Mark Benecke.

Die beiden Katzen in Colorado zeigen ein Fressverhalten wie es Tiere haben, die im Freien leben. Forensiker haben bei Weißwedelhirschen im Winter 2017 beobachtet, dass diese an Menschenknochen wegen der Mineralien nagten. In der Regel kommen aber tierische Fraßspuren an menschlichen Leichen in Wohnungen vor.

Spezialisten für Zersetzung

Von Insekten bis zu den großen Wirbeltieren: Grundsätzlich ist auf jeden Verwesungszustand einer Leiche ein bestimmtes Lebewesen spezialisiert, sagt der Kriminalbiologe. Wenn eine Leiche im Freien ganz normal besiedelt werde, spielten später eher Speckkäfer, bestimmte Käsefliegenlarven oder Bakterien bei der Zersetzung eine Rolle. Bei manchen Tieren sei es schlicht überraschend, dass sie auch menschliche Leichen als Nahrungsquelle betrachten – beim Goldhamster zum Beispiel.

"Es gibt übrigens auch noch eine andere unerwartete leichenfressende Art. Das sind Goldhamster, haben 1994 Kollegen berichtet. Man ist als Leiche vor wenigen Tieren sicher."
Mark Benecke, Kriminalbiologe