Unis, Tech-Firmen und Militärs forschen an neuen Systemen, um Menschen anhand von biometrischen Merkmalen zu erkennen. Nicht nur der Fingerabdruck, sondern auch der Zungenabdruck, der Gesäßabdruck, der Gang oder der Herzschlag sind bei jedem Menschen einzigartig. Unser Reporter Thomas Reintjes hat sich verschiedene neue Erkennungsmethoden erklären lassen.

Gesichtserkennung per Kamera funktioniert nicht immer so optimal, wie sich die Überwachenden das wünschen. Viele Einrichtungen forschen daran, die Identität von Personen anhand anderer biometrischer Merkmale eindeutig bestimmen zu können. Ein chinesisches Start-up spricht beispielsweise davon, dass es eine Software entwickelt hat, bei der sich am Gang die Identität einer Person bestimmen lasse, sagt unser Reporter Thomas Reintjes.

Diese Technologie könnte überall dort unbemerkt erfolgen, wo Überwachungskameras installiert sind und die Gesichtserkennung möglicherweise eben nicht so gut funktioniert. In Peking und Schanghai soll die Polizei das Verfahren bereits nutzen. Eine Einschränkung hat diese Technik allerdings: Sie kann nicht in Echtzeit angewendet werden. Das heißt, die Bewegungsabläufe der Menschen, die beispielsweise eine Straße entlang gehen, wird per Video aufgezeichnet, dann anschließend per Software analysiert.

"If everybody that I needed to recognize would agree to always wear the same shoes and the same clothes and walk on the same surface with the same degree of energy, I could do really well. But if they're tired sometimes and excited sometimes, or they're carrying something, you're going to run into problems."
Kevin Bowyer, University of Notre Dame in Indiana

Auch der Forscher Kevin Bowyer hat untersucht, ob sich die Identität einer Person anhand seiner Gangart ablesen lässt. Er schätzt diese Methode noch nicht als besonders aussagekräftig ein, weil der Gang eines Menschen sich verändert, sobald er müde oder gut gelaunt ist, etwas in den Händen trägt, auf nassem Untergrund läuft oder andere Schuhe trägt. Das sind nur einige der Faktoren, die einen Einfluss auf unseren Gang haben können. Damit ist es schwierig, ein eindeutiges Ergebnis zu erhalten.

Bisher wenig Interesse an Methoden wie Gesäßabdruck oder Zungenabdruck

Im ersten Moment klingt es etwas abstrus, einen Menschen anhand seines Zungenabdrucks oder seines Po-Abdrucks erkennen zu wollen, nachdem er auf einem Stuhl gesessen hat. Auch der Gesäß- und Zungenabdruck scheinen – ähnlich wie der Fingerabdruck und die Iris – je nach Mensch so einzigartig zu sein, dass sich daran die Identität bestimmen lassen könnte.

Der Forscher Kevin Bowyer kennt diese Möglichkeiten, hält sie aber noch nicht für besonders praktikabel. Er glaubt, dass es bisher keinen Massenmarkt für solche Technologien gebe, sagte er.

"The most unusual one I ever saw was a tongue print, in analogy to the fingerprint. You need to get a sample of the tongue, and I'm not quite sure that's going to be mass market use, I don't think."
Kevin Bowyer, University of Notre Dame in Indiana

Und auch unser Herzschlag ist so einzigartig, dass wir mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) identifiziert werden könnten. Allerdings ist es ein wenig umständlich, ein EKG durchzuführen, um eine Person zu identifizieren, und man könnte das auch nicht unbemerkt tun. Allerdings setzt das US-Militär auf die Entwicklung dieser Methode, weil es auch die Möglichkeit gibt, mit einem Laser den Herzschlag aus der Entfernung zu messen. Innerhalb von 30 Sekunden gibt es ein Ergebnis. Der einzige Nachteil ist, dass die Person, deren Identität bestimmt werden soll, sich nicht bewegen darf.

"Das US-Militär setzt darauf: Das soll nämlich den Herzschlag aus der Ferne abhören können. Nicht mit EKG, sondern mit einem unsichtbarem Laser."
Thomas Reintjes, Deutschlandfunk Nova

Solche abwegigen Methoden sind dann interessant, sagt Thomas Reintjes, wenn andere beziehungsweise bessere Methoden nicht verfügbar sind. Wenn man keine gute Aufnahme vom Gesicht bekommt, um beispielsweise die Iris zu scannen. Der Herzschlag-Laser soll dabei helfen, vermeintliche Terroristen wiederzuerkennen, bevor man sie aufgreift, sagt Thomas Reintjes.

"There's a company that's trying to do essentially dynamic handwriting analysis on the touch screen as you write something on your sensor."
Kevin Bowyer, University of Notre Dame in Indiana

Kevin Bowyer von der Universität Notre Dame in Indiana berichtet außerdem von einem Unternehmen, das derzeit eine Technologie entwickelt, mit der Smartphones erkennen können, ob sie vom Besitzer oder von einer fremden Person genutzt werden. Diese Technik soll analysieren, wie wir unser Handy benutzen, wie wir beispielsweise darauf schreiben oder welche Websites wir aufrufen. Sobald sich etwas an diesen typischen Mustern verändert, könnte das Gerät daraus schließen, dass gerade eine fremde Person das Smartphone verwendet.