Die deutschen Bischöfe haben über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und die Gleichberechtigung von Frauen beraten. Doch einen echten Durchbruch gibt es nicht. "Man fragt sich, warum das so lange dauert", sagt unsere Reporterin Christiane Florin aus der Redaktion "Religion und Gesellschaft". Nicht einmal die versprochene Frauenquote bringe echte Gleichberechtigung.

Die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen geht am 14. März zu Ende. Tags zuvor hat es eine Pressekonferenz gegeben, auf der sich Bischof Stephan Ackermann - in der Deutschen Bischofskonferenz zuständig für das Thema sexueller Missbrauch - sehr technokratisch gezeigt hat, so unsere Reporterin Christiane Florin. 

"Es ging um Monitoring, Leitlinien und Statusbericht." Doch was fehlt, ist eine konkrete Aussage zu Entschädigungszahlungen an Opfer sexuellen Missbrauchs. Und zwar Zahlungen, die mehr sind als Symbolik, kritisiert Christiane Florin.

In anderen Ländern ist die Aufarbeitung viel weiter

Eines der Ergebnisse der Bischofskonferenz ist, dass es eine Zusammenarbeit zwischen dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung geben soll. Ein echter Fortschritt sei das nicht, sagt Christiane Florin. "Eigentlich eine Selbstverständlichkeit." 

Stephan Ackermann hat angekündigt, dass man Kriterien für eine Aufarbeitung entwickeln wolle. "Man fragt sich natürlich, warum dauert das so lange. In Ländern wie Irland oder Australien hat es bereits Aufarbeitungskommissionen" gegeben, sagt Christiane Florin.

Im niedersächsischen Lingen findet die Bischofskonferenz statt. Frauen der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) demonstrieren beim Eröffnungsgottesdienst. Mit der Aktion "#MachtLichtAn" wollen sie aufmerksam machen auf die Missbrauchsfälle in der Kirche. (11.03.2019); Foto: dpa
© dpa | Friso Gentsch
Draußen wurde demonstriert: Opferverbände fordern eine echte Aufklärung und Entschädigung.

In diesen Ländern sei der Impuls der Aufklärung nicht von den Kirchen gekommen, sondern vom Staat. In Deutschland sei das anders: Der Staat zeige viel Rücksicht gegenüber den Kirchen.

"In Deutschland geht der Staat eher rücksichtsvoll mit den Kirchen um."
Christiane Florin, Redaktion "Religion und Gesellschaft"

Auch die Opferverbände zeigen sich enttäuscht von der Bischofskonferenz. Sie wollen, dass es schneller vorangeht. Matthias Katsch vom Opferverband "Eckiger Tisch" hat sich am 13. März auf Twitter zu Wort gemeldet. Er spricht direkt Zivilgesellschaft und Politik an. Man brauche jetzt Unterstützung bei den Forderungen gegenüber der Kirche, sonst "geht das Gewürge bei der Aufklärung und Entschädigung noch neun Jahre so weiter".

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Ein weiteres Ergebnis der Bischofskonferenz ist eine Absichtserklärung: In den nächsten vier Jahren soll ein Drittel der Leitungspositionen mit Frauen besetzt werden. Diese Frauenquote soll für die Bistümer der katholischen Kirche gelten. Zwar hatte die Kirche sich diese Frauenquote in Teilen bereits früher als Zielvorgabe gesetzt, aber bislang nicht umgesetzt. 

Dass man die Frauenquote nun doch wirklich angehen wolle, sei ein Fortschritt. Aber innerhalb der katholischen Kirche bedeuteten die kleinsten Änderungen schon Fortschritte, so Christiane Florin.

​"Es gibt eine so lange Geschichte der Nicht-Gleichberechtigung der Frauen, auch der Frauenverachtung in der katholischen Kirche, dass alles wie ein Fortschritt aussieht, wenn Frauen wie Menschen behandelt werden."
Christiane Florin, Redaktion "Religion und Gesellschaft"

Zur vollen Gleichberechtigung gehöre jedoch, dass die Frauen die Weihe bekommen. Dass sie Priesterinnen und Bischöfinnen werden können und damit tatsächlich innerhalb der Kirche wirken könnten.

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