Der polnische Film "Kler" porträtiert vier katholische Geistliche. Es geht um Pädophilie, den Bruch des Zölibats, Alkoholmissbrauch und Korruption. Das führt in dem katholisch geprägten Land zu einer großen Kontroverse.

Selten haben die Kinobetreiber Polens einen ähnlich großen Ansturm auf die Kinos erlebt, wie bei dem Film "Kler". Schon vor seiner Veröffentlichung war der Film höchst umstritten. Nun bricht er wohl auch wegen der Kontroverse, die er hervorgerufen hat, bisherige Besucherrekorde im Land. In den ersten vier Tagen schauten sich über vier Millionen Menschen in Polen diesen Film an.

"Der Film ist schockierend, aber er zeigt die Wahrheit. Ich bin Katholikin und glaube an Gott, aber ich gehe seit 15 Jahren nicht mehr in die Kirche. Sie ist zu einer Firma geworden."
Meinung einer Kinobesucherin

"Kler" porträtiert vier katholische Geistliche. Es geht um Themen wie Pädophilie, Bruch des Zölibats, Alkoholmissbrauch und Korruption. Regisseur Wojciech Smarzowski will damit nach eigener Aussage zeigen, dass Geistliche keine Heiligen sind. 

Das führte zu viel Protest: Kirchliche Organisationen aber auch Politiker der nationalkonservativen Regierung riefen dazu auf, den Film zu boykottieren. Und das zu einer Zeit, in der die Katholische Kirche in Polen wegen eines Pädophilie-Skandals stark unter Druck steht.

"Das ist ein Film, der niemanden kalt lässt, und ich denke, das ist das, was den Erfolg des Films ausmacht."
Florian Kellermann, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent für Ost-Europa

Der Film lasse keinen kalt, sagt unser Korrespondent Florian Kellermann, die Öffentlichkeit sei gespalten.

Die Kritiker des Films sagen, dass es nicht nur ein anti-klerikaler Film sei, sondern auch ein anti-polnischer Film, weil er das Fundament angreife, auf dem die Identität der Polen beruhen würde.

"Dann gibt es die anderen, die sagen, da kommen ja auch gute Pfarrer vor. Eben gerade die auf der untersten Ebene, die quasi die Drecksarbeit machen."
Florian Kellermann, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent für Ost-Europa

Befürworter des Films weisen darauf hin, dass auch Geistliche in einem positiven Licht porträtiert würden. Bei denen handle es sich zwar auch nicht um Heilige, so unser Korrespondent. Aber sie werden als Menschen dargestellt, die anderen Menschen helfen wollen.

Und so zeige der Film, dass es ein Potenzial gebe, wie die Kirche sich erneuern könne: Indem sie auf die Menschen setzt, die aus ihrem Glauben heraus handeln.

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