Am Wochenende haben sich Papst und Bischöfe getroffen, um über Missbrauch in der katholischen Kirche zu sprechen. Viel dabei herausgekommen ist nicht.

Dass sich der Papst und die Chefs der nationalen Bischofskonferenzen auf einem mehrtätigen Antimissbrauchsgipfel treffen, um nur über das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche zu sprechen, galt als Sensation. "Dass der Papst die Bischöfe quasi dazu genötigt hat, zu dieser Veranstaltung zu kommen, war ein großer Schritt", sagt Christiane Florin aus der Deutschlandfunk-Redaktion "Religion und Gesellschaft".

Doch die Erwartungen wurden enttäuscht. Christiane Florin: "Ich würde sogar von einer Blamage sprechen."

"Das war eine vertane Chance. Ich würde sogar von einer Blamage sprechen."
Christiane Florin, Deutschlandfunk-Redaktion "Religion und Gesellschaft"

Die Bischöfe und der Papst hätten sich dem Thema Missbrauch in der katholischen Kirche nicht gestellt, sagt Christiane Florin. So gab es am ersten Tag einen Maßnahmenkatalog mit 21 Maßnahmen - "aber selbst die sind ja nicht beschlossen worden".

Und auch die Rede des Papstes hätte nicht zum Optimismus beigetragen. Er betonte zwar, dass die Täter der staatlichen Justiz übergeben werden sollen. Das ist für Christiane Florin aber nicht mehr als "eine Selbstverständlichkeit".

Selbstanzeige wäre eine Möglichkeit gewesen

Eine ehrliche Aufarbeitung hätte mit Selbstanzeigen beginnen können, sagt Christiane Florin. So hätten ein paar Bischöfe aufstehen und sagen können: "Ich habe das und das getan."

Nach ihrer Einschätzung hätte der Antimissbrauchsgipfel negative Konsequenzen für die katholische Kirche in Deutschland und würde noch weiter das Vertrauen bei den Kirchenmitgliedern zerstören.

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