Seit sechs Jahren leben wieder Wisente in freier Wildbahn in Deutschland. Doch es gibt Streit um die zottelige Riesen: Wie gefährlich sind die Tiere und welche Schäden können sie anrichten?

Europäische Bisons sind beeindruckende Tiere: Sind werden bis zu zwei Meter groß und bis zu 1000 Kilogramm schwer. Sie tragen wildes, zotteliges Fell und zwei riesige Hörner auf dem Kopf. Die meisten von uns kennen Wisente nur aus dem Tierpark, wo wir sie durch Zäune getrennt als friedliche Riesen erleben, die gemächlich ihr Futter wegschlabbern.

Doch die Wildrinder gibt es nicht mehr nur im Tierpark. Seit ein paar Jahren läuft eine Herde von etwa 20 Tieren in Südwestfalen, zwischen dem Sauerland und Wittgenstein, frei im Wald herum. 2013 wurden die Tiere ausgewildert. Seitdem streiten Gegner und Befürworter darüber, wie gefährlich die Wisente wohl sein mögen und welche Schäden sie anrichten können.

"Ich möchte denen nicht begegnen. Oben im Wald habe ich doch ein bisschen Angst."
Angelika Volmers wohnt auf der Almert, wo auch die Wisente unterwegs sind

Je nach Perspektive ist die Chance oder die Gefahr, den Wisenten tatsächlich in freier Wildbahn zu begegnen, sehr gering. "Das ist wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen, also eigentlich fast ausgeschlossen", sagt Bernd Fuhrmann, der Vorsitzende der Wisent-Welt, dem Verein, der das Artenschutz-Projekt angestoßen hat. "Mir ist es über ein Jahr lang fast gar nicht gelungen."

Ein Wisent im Schnee.
© imago | Blickwinkel
Wisente werden bis zu zwei Meter hoch und 1000 Kilogramm schwer.

Ein Vorfall mit einem Wisent ging aber durch die Medien und gefährdete das Projekt: Eines der Tiere hatte eine Frau bei einem Waldspaziergang angegriffen. "Das waren besondere Umstände, die da eine Rolle gespielt haben", erklärt Bernd Fuhrmann. "Da war ein kleines Kälbchen dabei auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Hund." Das sei eine Sondersituation gewesen. Die Frau wurde leicht verletzt.

Waldeigentümer gegen Wisente

Auch vielen Waldeigentümern in der Region ist die Wisent-Herde ein Dorn im Auge. Sie haben die Initiative "Pro Wald" gegründet, um sich gegen die Wisente zu wehren. Der Waldbesitzer Hermann Pohl erklärt in der Westfalenpost: "Wir dulden diese Tiere nicht mehr bei uns, und sobald sie hier sind, werden wir versuchen, sie zu verjagen." Bis zum vorigen Jahr seien 3400 Bäume von den Wisenten beschädigt worden. Die Schäden gingen in die zehntausende Euro.

Inzwischen müssen sich Juristen um die Wisente kümmern: Am Bundesgerichtshof wird verhandelt, ob die Herde frei durch die Wälder streifen darf. Die Zukunft der einzigen freilebenden Wisent-Herde bleibt also weiter ungeklärt.

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