Das Blackfacing hat in den USA eine lange Tradition. Schon immer war es rassistisch. Und auch bei uns finden Schwarze es nicht in Ordnung, wenn sich Weiße zum Spaß schwarz anmalen. Oder wenn ein Modelabel einen Pulli auf den Markt bringt, der nach Blackfacing aussieht. Wir sprechen darüber mit der Bloggerin Fabienne Sand.

Das Modelabel Gucci hat einen Pulli aus dem Sortiment genommen. Es hagelte nämlich Kritik: Das Modell sei rassistisch. Tatsächlich wirkt der schwarze Rollkragenpulli etwas merkwürdig: Er hat einen Kragen, den man über die Nase ziehen kann. Der Mund ist ausgespart und mit sehr dicken, roten Lippen umrandet.

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Auch die Bloggerin und Autorin Fabienne Sand kritisiert den Strickpullover als rassistisch, besonders wegen der überbetonten Lippen. Sie beschäftigt sich schon seit Längerem mit Vorurteilen gegenüber Schwarzen, mit Rassismus und Blackfacing. Auf ihrem Instagram-Account macht sie immer wieder darauf aufmerksam.

"Diese überspitzte Darstellung der Lippen hat sich ganz klar in der Praxis des Blackfacings wiedergefunden."
Fabienne Sand, Bloggerin

Sich als Weißer schwarz anzumalen hat vor allem in den USA eine rassistische Geschichte. So machten sich weiße Schauspieler über Schwarze lustig - zum Beispiel über bestimmte Körpermerkmale. In den sogenannten Minstrel Shows schlüpften im 19. Jahrhundert Weiße in die Rolle von Schwarzen, malten ihr Gesicht schwarz an und veralberten Sklaven oder Diener als lustige, naive Untergebene. Diese Shows waren "stereotypisierend und rassistisch", sagt Fabienne Sand, weil die Menschen einseitig dargestellt und als Masse betrachtet wurden.

"Es gab keine individuellen schwarzen Menschen, sondern es gab die einfältige Masse der schwarzen Sklaven. Sie wurden dumm und kriminell dargestellt oder stark sexualisiert."
Fabienne Sand, Bloggerin

Zum ersten Mal aufmerksam auf das Thema wurde Fabienne Sand, als sie sich Karnevalskostüme ansah - solche von "Wilden" oder "Afrikanern". Die Models, die sie trugen, hatten ihr Gesicht schwarz bemalt. Doch wie machen wir es richtig, wenn wir uns als Weiße an Karneval tatsächlich als schwarze Person verkleiden möchten? Als Beyoncé beispielsweise oder Tina Turner? Fabienne Sand sagt, wir sollten zunächst über die Haupteigenschaft dieser Personen nachdenken: Geht es um ihr Gesangstalent oder ihre Hautfarbe?

Ohne Blackfacing zum Karneval

"Die Haupteigenschaft von Tina Turner ist nicht, dass sie schwarz ist, sondern dass sie eine wundervolle Sängerin ist." Bei Beyoncé sei es ebenso: Mit einem ihrer Kostüme und einer Perücke sei man sicherlich als die erfolgreiche Sängerin erkennbar - auch ohne sich das Gesicht dunkel anzumalen.

"Du könntest niemals, egal wie sehr du es versuchst, die Perspektive von jemandem einnehmen, der mit Rassismus konfrontiert wird."
Fabienne Sand, Bloggerin

Vermutlich sei es für Weiße einfach schwierig, sich in die Position einer oder eines Schwarzen hineinzuversetzen, sagt Fabienne Sand. Denn Schwarze erleben Rassismus in ihrem Alltag. Darum sollten wir denjenigen, die darüber sprechen wollen, gut zuhören. Es aber auch akzeptieren, wenn sich jemand nicht darüber unterhalten will. "Nicht jeder hat Bock, darüber zu reden."

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