Ein bisschen durch den See kraulen? Sind zu viele Cyanobakterien im See, solltet ihr das besser lassen – unser Reporter weiß warum. Er hat außerdem eine einfache Faustregel parat.

In manchen Seen in Deutschland herrscht wegen Cyanobakterien Badeverbot – auch im Barleber See bei Magdeburg – oben im Bild. Daran solltet ihr euch halten, denn die Giftstoffe im Wasser können auch für Menschen gefährlich sein.

Unser Reporter Sebastian Rams hat sich angeguckt, wie diese Blaualgen – eigentlich sind das Cyanobakterien – entstehen und gedeihen, wie gefährlich sie für Badende und Tiere sind.

Faustregel für den Wassertest

Bei Gewässern, die nicht von den Behörende geprüft werden, könnt ihr folgende Faustregel anwenden: 

• Langsam bis zu den Knien ins Wasser gehen
• Keinen Dreck aufwirbeln
• Könnt ihr eure Zehen noch genau erkennen?

Ja? Dann ist das Wasser in Ordnung und ihr könnt dort ohne Bedenken baden – anderenfalls: Schnell wieder raus aus dem Wasser.

Diese Regel empfiehlt Ingrid Chorus. Sie ist die Abteilungsleiterin für Trink- und Badebeckenwasser im Umweltbundesamt.

"Wenn Sie vorsichtig bis zu den Knien ins Wasser waten, ohne das Sediment aufzuwirbeln, und dann ihre Füße noch gut erkennen können, auch die Umrisse zwischen den Zehen, dann ist das Baden okay."
Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin für Trink- und Badebeckenwasser im Umweltbundesamt

Sebastian meint, dass ihr die Badeverbote unbedingt einhalten solltet. Je nach Bakterienstamm können sich unterschiedliche Toxine bilden. Das sind einerseits Nervengifte und andererseits Gifte, die auf die menschliche Leber wirken.

In geringer Konzentration sind diese Stoffe zwar ungefährlich, in höheren Konzentrationen aber durchaus eine Gefahr. Ingrid Chorus sagt, dass die Nervengifte der Cyanobakterien Schwindelgefühl oder ein Kribbeln in den Händen auslösen können, solche Fälle allerdings weltweit ausgesprochen selten sind.

"Das merkt man innerhalb von Minuten an Schwindel oder Kribbeln in den Fingern. Das ist aber jetzt bislang in der ganzen internationalen Literatur beim Menschen nur in ganz wenigen Fällen beobachtet worden."
Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin für Trink- und Badebeckenwasser im Umweltbundesamt

Immer wieder aber vergiften sich Hunde tödlich, nachdem sie die Bakterien in hoher Konzentration von der Wasseroberfläche aufgeschlabbert haben, sagt Ingrid Chorus.

Die Lebergifte, die die Cyanobakterien auch produzieren, wirken langsamer. Ingrid Chorus meint, eine Dosis einzunehmen, die bei Erwachsenen zu einem akuten Leberschaden führt, sei beinahe ausgeschlossen. Ausgenommen davon sind Kleinkinder , wenn sie mit Förmchen und Tassen im Wasser spielen und sich gerne auch mal einen kräftigen Schluck gönnen.

Damit das Baden gefahrlos möglich ist, werden Badegewässer in Deutschland auf Cyanobakterien kontrolliert. In 2017 wurden laut Umweltbundesamt rund 2300 Badegewässer auf ihre Wasserqualität hin überprüft.

Hier wird das Wasser gecheckt

Aktuelle Messungen werden im Netz auf der Seite vom Umweltbundesamt unter Wasserqualität in Badegewässern veröffentlicht – nach Bundesländern aufgeteilt. Die hygienische Qualität von Gewässern wird durch die Messung von zwei Bakteriengruppen bestimmt: Den Kolibakterien und Milchsäurebakterien – nicht aber den Cyanobakterien.

Die werden nur dort zusätzlich überprüft, wo die Beschaffenheit des Sees und frühere Bakterienmessungen dafür sprechen: Bei Gewässern in der Nähe großer, landwirtschaftlich genutzter Flächen zum Beispiel, weil Überdüngung das Bakterienwachstum fördert. An diesen Gewässern werden dann alle zwei Wochen Proben entnommen.

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