Am Wochenende werden in Dortmund 14.000 Menschen evakuiert. Der Grund: Vermutlich vier Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. In ganz Deutschland schlummern noch Kriegsbomben in der Erde. Der Bauboom bringt viele von ihnen ans Tageslicht.

Sie liegen zwar seit über 70 Jahren in der Erde – doch die Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg sind noch immer einer reelle Gefahr. Die "Kampfmittelaltlasten", wie sie eigentlich heißen, werden von Experten gesucht und beseitigt. Einer von ihnen ist Ralf Vendel. Er leitet den Kampfmittelbeseitigungsdienst in Baden-Württemberg.

"Großstädte, Industrieanlagen, Bahnhöfe und militärische Liegenschaften sind die Hauptangriffsziele gewesen damals."
Ralf Vendel, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg

Bomben oder Granaten, die nicht explodiert sind, finden sich vor allem in industriellen Ballungsräumen, in Großstädten oder rund um ehemalige militärische Anlagen, sagt Ralf Vendel. Oft werden sie bei Baumaßnahmen entdeckt.

Luftbildauswertung liefert erste Anhaltspunkte

Um nachzuvollziehen, ob auf einem Grundstück alte Bomben liegen könnten, sieht man sich zuerst die Luftbilder an, die die Alliierten im Krieg gemacht haben. Sie haben vor und nach einer Bombardierung Fotos aus der Luft geschossen. Danach kommt die Suche mit Metalldetektoren: "Da läuft man dieses Grundstück immer in schönen geraden Linien in einem Abstand von einem halben Meter oder Meter ab."

Baukonjunktur führt zu vielen Bombenfunden

Auch entlang alter Bahnstrecken oder in ehemaligen Kampfgebieten, die heute bewaldet sind, können Kampfmittel liegen, sagt der Experte. Und dabei handelt es sich nicht nur um Bombenblindgänger, sondern auch um andere Munition.

"Je mehr Fläche man absucht, umso mehr Kampfmittel kommen natürlich ans Tageslicht."
Ralf Vendel, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg

Es wird noch viele Jahrzehnte dauern, bis das alles erledigt ist, meint Ralf Vendel. Dass derzeit so viele Bomben gefunden werden, liege vor allem am Bauboom. In Nordrhein-Westfalen, das besonders stark von Blindgängern betroffen ist, wurden 2018 insgesamt 2811 Bomben geräumt und entschärft, fast 45 Prozent mehr als im Vorjahr.

"Bomben, die wir heute, 75 Jahre nach dem Krieg, aus dem Boden holen, da kann man noch die Original-Beschriftung erkennen. Die sind noch voll intakt."
Ralf Vendel, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg

Irgendwann, sagt Ralf Vendel, wird ein Großteil der Altlasten geräumt sein. Doch wann das sein wird, könne niemand sagen. Er betont aber: Viele Bomben, die meist einen bis fünf Meter tief in der Erde liegen, seien noch immer intakt.