Hannah ist Influencerin und Bloggerin auf Instagram. Auf dem Portal wird sie beschimpft, gedemütigt und bekommt Drohnachrichten. Laut einer aktuellen Umfrage ist sie damit nicht allein: Mehr als jede zweite junge Frau erlebt digitale Gewalt im Netz.

Wenn man das erste Mal eine Hassnachricht bekomme und es dann immer mehr Nachrichten würden, sei das ein "unbeschreiblich schlimmes Gefühl", berichtet die 24-jährige Hannah. Unter dem Namen Namastehannah bloggt sie auf Instagram über Themen wie Yoga, Kunst, Feminismus, Gleichberechtigung und mentale Gesundheit – und bekommt dafür nicht nur positive Rückmeldungen.

"Es gibt beleidigende Nachrichten, es gibt gewaltvolle Nachrichten, es gibt belästigende Nachrichten."
Hannah, bloggt unter dem Namen Namastehannah auf Instagram

Laut einer aktuellen Umfrage der Kinderrechtsorganisation Plan International haben 58 Prozent der 14.000 Befragten im Alter von 15 bis 24 Jahren Bedrohungen, Beleidigungen und Diskriminierungen in den sozialen Medien erfahren. Die Umfrage fand in 22 Ländern statt.

In Deutschland liegt der Anteil sogar über dem globalen Durchschnitt. Von den 1003 Befragten haben 70 Prozent Online-Belästigung erfahren, fünf Prozent davon haben angegeben, dass sie deshalb die Plattformen verlassen hätten. Für Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International, zeige diese Umfrage, wie groß das Problem wirklich sei.

Social Media als Gefahrenort

Hannah macht es sehr viel Spaß, ihre Gedanken im Netz zu teilen und ihre politischen Positionen darzulegen, erzählt sie. Doch genau dann habe sie besonders viele Hassnachrichten bekommen. Zu Beginn habe sie sich deshalb oft überlegt, ob sie gewisse Themen wirklich ansprechen sollte.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Dass Frauen besonders stark bedroht werden, wenn sie sich positionieren, zeigt auch die neue Umfrage. Die jungen Frauen würden sozusagen "mundtot" gemacht werden, sagt Maike Röttger. Für sie hätten sich die sozialen Medien deshalb zu den neuen "dunklen Unterführungen oder Parks" entwickelt, die junge Frauen lieber meiden. 13 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie die Sozialen Netzwerke weniger nutzen, acht Prozent haben sich ganz abgemeldet.

"Das ist ja das Erschreckende daran, dass sie dann als Aktivistin, die für ihre Rechte eintreten, wirklich mundtot gemacht werden sollen."
Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International

Hannah lässt sich von den Droh- und Hassnachrichten noch nicht einschüchtern. Auch, wenn viele der Nachrichten sie gedanklich bis in die Uni oder in den Supermarkt verfolgen. Nach einer gewissen Zeit haben sie diese eher noch motiviert, und sie hat sich gedacht: "Jetzt erst recht!".

Merken, dass man nicht alleine ist

Um mit Dickpics, Bedrohungen und Hassnachrichten umzugehen, habe es Hannah sehr geholfen zu wissen, dass sie nicht alleine ist und dass es nicht um sie als Person gehe. Vielmehr bedrohen und beleidigen sie Menschen, die ihre negative Energie bei ihr abladen wolle.

"Da ist jemand, der hat ganz viel negative Energie in sich. Ich bin trotzdem immer noch ich und ich bin nicht weniger wert, nur weil jemand sowas schreibt."
Hannah, bloggt unter dem Namen Namastehannah auf Instagram

Wichtig ist für Frauen, die eine solche From von Bedrohung und Gewalt erfahren, darüber mit Freunden, Familie, Beratungsstellen oder Vertrauenslehrkräften zu sprechen. Schließlich gehe es auch darum, aktiv zu werden.

Digitale Gewalt nicht einfach hinnehmen

Dafür gibt es beispielsweise Organisationen wie Hateaid, Ichbinhier oder Frauen gegen Gewalt, die Betroffene beraten, individuelle Lösungen finden und bei rechtlichen Schritten Unterstützung leisten. Denn digitale Gewalt dürfe nicht einfach hingenommen werden. Ihrem Gefühl nach sehen zu viele Frauen die Situation einfach als normal an, obwohl sie das nicht sei, sagt Hannah.

"Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen und Mädchen die Situation als normal ansehen. Aber es ist eben nicht normal."
Hannah, Bloggerin und Influencerin auf Instagram

In vielen Fällen wie beispielsweise einem Dickpic handle es sich sogar um eine Straftat, sagt Hannah – zumindest in Deutschland. In vielen andren Ländern müsse sich rechtlich noch viel tun, sagt Maike Röttger. Deshalb wolle ihre Hilfsorganisation auch die sozialen Netzwerke selbst in die Verantwortung nehmen, damit sie für den Schutz der Userinnen sorgen.