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In Großbritannien fallen Beschränkungen für homosexuelle Männer beim Blutspenden bald weg. Bislang durften sie drei Monate vorher keinen Sex haben. In Deutschland sind es zwölf Monate. Eine Änderung ist bei uns erst mal nicht in Aussicht.

Möchte ein Mensch in Großbritannien Blut spenden, ist es ab Sommer 2021 egal, welche sexuelle Orientierung er oder sie hat. Statt zwischen homo-, bi- oder heterosexuell zu unterscheiden, ist das Sexualverhalten der Spenderin oder des Spenders entscheidend.

"Das heißt, dass individuell nach dem Sexualverhalten geguckt wird und nicht mehr komplette Bevölkerungsgruppen über einen Kamm geschert werden."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

In einem Fragebogen sollen die Britinnen und Briten dann angeben, ob sie drei Monate vor der Blutspende wechselnde Sexualpartner hatten und zum Beispiel auch, ob sie regelmäßig Drogen beim Sex einnehmen.

Eine Entscheidung, auf die viele lange gewartet haben. Besonders LGBTIQ-Verbände befürworten die neue Regelung. Zuvor hatte Großbritannien 2017 die Beschränkungen für homosexuelle Blutspender angepasst. Statt wie vorher 12 Monate durften sie vor einer Blutspende drei Monate keinen Sex gehabt haben. Es zeigte sich: Durch die verkürzte Sperrfrist gab es nicht mehr Blutspenden, in denen HIV nachgewiesen werden konnte.

Schwule Männer grundsätzlich als Risikogruppe

In Deutschland sieht das anders aus: Geht es ums Thema Blutspenden, beruft sich die Bundesärztekammer für ihre Vorgaben auf Statistiken, nach denen es bei homosexuellen Männern öfter eine HIV-Infektion gebe. Zum Schutz der Patientinnen und Patienten gilt deshalb die Regel: 12 Monate keinen Sex. Erst danach dürfen homosexuelle Männer ihr Blut spenden. Bis vor ein paar Jahren waren sie generell vom Blutspenden ausgeschlossen.

Unabhängig von ihrem Sexualverhalten zählen homosexuelle Männer so von vornherein als Risikogruppe. Es ist zum Beispiel egal, ob sie Sex mit oder ohne Kondom haben, in einer Partnerschaft leben oder Single sind.

Eine Regelung, die viele als diskriminierend kritisieren, denn die Alternativen sind da, erklärt Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband: "Ich wünsche mir, dass die Spender zu ihrem etwaigen Risikoverhalten innerhalb der letzten sechs Wochen befragt werden. Für den Zeitraum davor könnte man moderne Antikörper- und Antigentests machen, was in allen HIV-Beratungsstellen und Gesundheitsämtern Usus ist."

Zumal das Blut der Spenderinnen und Spender schon jetzt auf HIV und Hepatitis-Viren mit einem PCR-Test getestet wird. Allerdings sind manche Viren in einem bestimmten Zeitfenster nicht im Blut nachweisbar.

Weniger als ein Prozent Neuinfektionen

Die Zahlen zeigen: Die Anzahl der Neuinfektionen von Männern, die Sex mit Männern haben, bleibt stabil. 2200 Männer insgesamt haben sich in Deutschland 2019 neu mit HIV angesteckt, meldet das Robert Koch-Institut (RKI). 1600 davon waren homo- oder bisexuelle Männer.

Laut einer Gesid-Studie der Uni Hamburg geben 2,7 Prozent der Männer in Deutschland bei der Frage nach ihrer sexuellen Identität an, dass sie homo- oder bisexuell sind. In Relation zur Gesamtbevölkerung von Männern in Deutschland entspricht das ungefähr 1,1 Millionen Männern. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen unter Männern macht damit weniger als ein Prozent aus.