Der 5. April 1992 wird zum Schicksalstag der Stadt Sarajevo: Demonstrierende überqueren die Vrbanja-Brücke, unter ihnen sind auch Suada Dilberović und Olga Sučić. Die beiden jungen Frauen werden von Heckenschützen erschossen. Es folgt eine Belagerung der Stadt, die 1425 Tage andauert und viele Tote fordert.

Kurz nachdem die Schützen die beiden jungen Frauen erschossen haben, eröffnen sie erneut das Feuer. Doch die Demonstrierenden setzen ihren Weg in die Stadt fort. Ihr Ziel ist der Vorplatz des Parlaments – als sie den Platz erreichen, dringen sie in das Gebäude ein und halten es eine Nacht lang besetzt. Immer mehr Menschen folgen ihnen.

Der Anführer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić, veranlasst daraufhin die Sperrung einiger Stadtteile und den Schießbefehl, sollten die Demonstrierenden "serbisches Territorium" betreten. Obwohl die Demonstrierenden ihren geplanten Marsch in den serbisch dominierten Stadtteil Vraca nicht antreten, eröffnen Scharfschützen das Feuer auf sie.

Der Konflikt eskaliert

Nun eskaliert der Konflikt zwischen Muslimen und orthodoxen Christen, zwischen Bosniaken und Serben zu einem Krieg. Dabei geht es nicht nur um die von Serbien angestrebte Vorherrschaft im ehemaligen Jugoslawien, sondern auch um ethnische und religiöse Konflikte in den verschiedenen Teilstaaten, die 1992 aus der Zerschlagung der "Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien" hervorgegangen waren.

Erst im Oktober 1995 kommt es zu einem Waffenstillstand und schließlich am 21. November 1995 mit dem Abkommen von Dayton zu einem Ende des Krieges.

Eine Frau bricht am 11.7.1993 an einer Wasserausgabestelle in Sarajevo in Tränen aus, als sie nach stundenlangem Warten erfährt, das es kein Trinkwasser gibt.
© Dpa | Anja Niedringhaus
Über drei Wochen lang waren die Einwohner der bosnischen Hauptstadt Sarajevo während der vierjährigen Belagerung der Stadt ohne Wasser und Strom.

1425 Tage dauert die Belagerung Sarajevos - so lange wie in keiner anderen Stadt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Wegen der besonderen Lage ist diese Belagerung besonders blutig: Sarajevo liegt in einem Tal, sodass die Stadt unentwegt von den Bergen ringsum beschossen werden kann. Als die Belagerung am 29. Februar 1996 endet, hat Sarajevo mehr als 11.000 Opfer zu beklagen.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Zeitungsjournalist Erich Rathfelder hat Anfang der 1990er-Jahre für die Taz aus Sarajevo berichtet und erinnert sich an die Lage in der eingeschlossenen Stadt.
  • Der Historiker Hajo Funke wirft dem Westen schwere Versäumnisse und Fehler während des Bosnienkrieges vor.
  • Der ARD-Korrespondent Srdjan Govedarica erläutert, wie sehr der Bosnienkrieg heute noch im Alltag der Menschen präsent ist.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die komplizierte ethnische, politische und religiöse Situation im ehemaligen Jugoslawien nach 1992.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Jungblut erinnert an die Belagerung Sarajevos zwischen April 1992 und Februar 1996.