"Wie viele Klavierstimmer gibt es in Frankfurt am Main?" Nein, das ist keine Frage aus einer Quizshow, sondern aus einem Bewerbungsgespräch für eine Unternehmensberatungsstelle. Wir erklären, wie ihr mit diesen Fragen am besten umgeht.

Stellt euch vor, ihr sitzt in einem Bewerbungsgespräch, kennt die komplette Firmengeschichte auswendig, habt euch davor perfekt mit euren Stärken und Schwächen auseinandergesetzt und dann kommt als Erstes diese Frage: "In wie vielen Sekunden ist Silvester?"

Solche Fragen können einen schnell mal aus der Bahn werfen. Aber vor allem für Jobs in den Bereichen der Unternehmenskommunikation oder des Investmentbankings, in denen es um analytisches oder mathematisches Denken geht, sind solche Fragen ein beliebtes Mittel der Personaler.

Denn damit bekommen sie schnell einen ersten Einblick über die Persönlichkeit. Bei diesen Brainteaser-Fragen geht es nämlich meist nicht darum, schnell die perfekte Lösung zu präsentieren, sondern den Weg hin zu Lösung sinnvoll zu erläutern.

Die eine perfekte Antwort gibt es meistens nicht

Der erklärte Brainteaser-Fan Stefan Menden hat vor ungefähr 20 Jahren das Karrierenetzwerk Squeaker.net gegründet. Hier können unter anderem Menschen, die sich beispielsweise bei einer Unternehmensberatung beworben haben, ihre Erfahrungen teilen. Stefan Menden hat die Brainteaser-Erfahrungen mittlerweile auch in einem ganzen Buch gesammelt.

Ein häufig genutzter Brainteaser: "Sie sind die Stadt San Francisco und Sie möchten die Stadtfinanzen sanieren und die Golden Gate Brücke verkaufen. Zu welchem Preis würden Sie sie verkaufen?" Natürlich kommt es bei so einer Frage nicht darauf an, sofort eine korrekte Zahl nennen zu können. Es geht eher darum, einen logischen und nachvollziehbaren Gedankenweg zu gehen, sagt die Psychologin Laura Klimecki.

"Der Punkt ist nur: Kriege ich das hin, dass ich versuche, durch bestimmte Datenpunkte irgendwie auf eine Antwort zu kommen, die ansatzweise logisch und nachvollziehbar ist?"
Laura Klimecki, Psychologin

Ein Bewerber geht vielleicht diesen Weg: "Die Brücke ist sechsspurig, um die 100.000 Menschen wollen jeden Tag darüber fahren. Davon muss jede Person acht Dollar zahlen – das macht 800.000 Dollar Tageseinnahmen. Davon sollte man noch die Betriebskosten abziehen. Spontan würde ich sie also für 800 Millionen Dollar verkaufen."

Eine andere Bewerberin sagt dagegen: "Ich würde die Brücke eher verschenken. Demnächst steht eine Grundsanierung an und die frisst unseren ganzen Stadthaushalt auf."

Stress- und Persönlichkeitstest für Bewerber

Für die Psychologin Laura Klimecki sind diese Fragen eine Art Belastungsprobe für die Bewerberinnen und Bewerber. Wer schafft es trotzdem, ruhig zu bleiben und logisch nachzudenken und wer gerät in Panik? Wer haut schnell eine Zahl heraus, einfach um etwas gesagt zu haben und wer lässt sich Zeit mit der Antwort? Das sage für die Personaler oft schon viel über die Persönlichkeit der Bewerberinnen und Bewerber aus.
"Man guckt: Kannst du unter einer gewissen Belastungssituation immer noch ruhig bleiben und logisch, rational schlüssige Entscheidungen treffen. Bist Du also in der Lage, mit Stress gut umzugehen."
Laura Klimecki, Psychologin
Es geht also auch um den Überraschungseffekt. Denn manchmal sind die Fragen zwar kurios, aber durchaus lösbar. So zum Beispiel bei der Frage nach den Sekunden bis Silvester. Sind die Fragen allerdings komplizierter und man kommt erst mal nicht voran, kann es helfen, Gegenfragen zu stellen, rät Laura Klimecki.

Zurück zum Beispiel des Verkaufs der Golden Gate Brücke. Hier könnten Bewerberinnen fragen: Wie viele Leute fahren über die Brücke? Wie hoch sind die Gebühren?

Und bei allem gilt: Die Bewerber sollten sich nicht unter Druck setzen lassen, sofort antworten zu müssen. Es sei durchaus legitim zu sagen, dass man kurz darüber nachdenken müsse, sagt die Psychologin Laura Klimecki.
"Einfach mal sagen: Ok, darüber muss ich kurz nachdenken. Einen Schluck Wasser nehmen, tatsächlich mal kurz zwei Sekunden gewinnen, nachdenken und erst dann antworten."
Laura Klimecki, Psychologin

Antworten auswendig lernen – bringt nichts

Was in der Vorbereitung allerdings kaum hilft: Viele Brainteaser-Fragen auswendig zu lernen. Aber man könne sich zumindest mit der Art der Fragestellung davor auseinandersetzen, rät Stefan Menden. Vielleicht schafft man es sogar, sich mit Brainteaser anzufreunden, denn wer Spaß an dieser Art von Gedankengängen hat, ist meistens auch gut für den Job geeignet, auf den man sich bewirbt. Brainteaser können also auch ein guter erster Selbsttest sein, sagt Stefan Menden.
"Wer Spaß an Brainteasern hat, da macht es auch Sinn, sich auf so einen Job zu bewerben. Das ist auch ein guter Selbsttest."
Stefan Menden, Gründer der Karriereplattform squeaker.net
Apropos Spaß: Brainteaser wie "Wie schwer ist Manhattan?" oder "Wie viele Smarties passen in einen Smart?" können auch ganze Partyabende füllen. Eine gute Ausrede, um den Abend vor dem Bewerbungsgespräch nicht am Schreibtisch, sondern mit Freunden zu verbringen.