Der BH stand einmal als Zeichen für die Emanzipation der Frau – heute ist es fast schon umgekehrt. Viele Frauen sind erleichtert, wenn sie zuhause einfach mal keinen BH tragen müssen. Für manche macht er – zumindest aus medizinischer Sicht – aber durchaus Sinn.

Ohne BH vor die Tür oder auf die Arbeit? Laut einer kleinen Umfrage im Umfeld von Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt fühlen sich dabei viele Frauen noch unwohl oder entblößt. Außerdem sei es fast so wie ein ungeschriebenes Gesetz.

Zuhause oder im Home-Office tragen dagegen die meisten nur in seltenen Fällen einen BH oder zumindest komfortablere Alternativen wie Sport-BHs, Bustiers, nahtlose BHs – oder mittlerweile ganz beliebt: Bralettes, also eine Mischung aus Bustier und BH. Ganz ausgestorben sind die klassischen Bügel-BHs trotzdem noch nicht – vor allem für Frauen mit größeren Brüsten, sagt Grit Seymour, Professorin für Modedesgin an der HTW Berlin.

Kein höheres Brustkrebsrisiko mit BHs

Die Beliebtheit des Bügel-BHs ist in letzter Zeit auch aufgrund von zwei hartnäckigen, aber falschen Behauptungen zurückgegangen. Zum einen wurde lange Zeit ein Zusammenhang von BH und Brustkrebs vermutet. Der Frauenarzt Christian Albring gibt hier aber Entwarnung. Das Risiko steige nicht mit dem häufigen Tragen von BHs, sondern mit der Brustgröße.

"Behauptungen, dass BHs das Brustkrebsrisiko erhöhen oder das Bindegewebe schwächen haben sich als falsch rausgestellt."
Krissy Mockenhaupt, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch die Behauptung, dass ständiges BH-Tragen unser Bindegewebe schwäche, ist falsch, sagt Krissy Mockenhaupt. Ganz im Gegenteil: Wenn Frauen eine Hängebrust vermeiden wollen, dann sollten sie spätestens ab Körbchengröße C einen BH anziehen. Ansonsten leiere das Brustgewebe mit der Zeit aus, erklärt Christian Albring.

BH sinnvoll bei größeren Brüsten

Vor allem für Frauen mit größeren Brüsten bieten BHs aber nicht nur den besseren Komfort, sie machen auch aus gesundheitlicher Sicht Sinn. Denn bei größeren Brüsten kann es mitunter ziemlich unangenehm werden, wenn es bei jeder Bewegung wackelt und das Gewicht der Brüste an der Haut zieht. Auf die Dauer helfen da auch keine stylischen und bequemen Bralettes mehr.

Der Frauenarzt Christian Albring führt noch einen weiteren Grund an, warum ein BH bei großen Brüsten sinnvoll ist: Liegen die Brüste über längere Zeit auf der Haut auf, könne sich an den Stellen Feuchtigkeit bilden, die wiederum zu Infekten, Warzen oder Ekzemen führen könnten.

Wenn Rückenschmerzen auftreten, rät der Frauenarzt dazu, auf eine bessere Haltung zu achten. Denn oft tendierten Frauen mit größeren Brüsten dazu, sich nach vorne zu neigen. Beim BH-Kauf, sollten wir darauf achten, ein Modell mit einem breiten Unterbrustband zu kaufen, damit nicht die ganze Last der Brüste auf den Trägern liegt, die sonst in die Schulter schneiden würden.

Die Suche nach dem perfekten BH kann dauern

Doch ganz egal, welche Körbchengröße – wer BHs grundsätzlich gut findet, sollte darauf achten, dass das ausgesuchte Model wirklich sitzt. Dafür lohne es sich, etwas länger zu suchen und sich beraten zu lassen, bis man das perfekte Modell für sich gefunden habe, sag Grit Seymour.

"Es bedarf einer guten Beratung und unter Umständen auch einer längeren Suche, um das perfekte Modell für sich zu finden."
Grit Seymour, Professorin für Modedesgin an der HTW Berlin

Dabei ist es sehr wichtig, sich selbst auszumessen oder ausmessen zu lassen, sagt Grit Seymour. Denn jede Brust ist individuell. Im Zweifelsfall, wenn man zwischen zwei Größen hängt oder zwei unterschiedlich große Brüste hat, sollte man lieber eine Nummer größer als kleiner wählen.