Mitten in der Brandenburger Pampa stehen neun Häuser mit 15 Bewohnern: das Örtchen Alwine. Das soll jetzt versteigert werden. Dass ihre Zukunft ungewiss ist, nehmen die Anwohner bisher noch gelassen. 

Alwine liegt im Süden Brandenburgs. Einsam in einem kleinen Waldstück. Vor mehr als hundert Jahren entstand die winzige Siedlung in der Nähe einer Zeche, die wohl nach der Tochter des Bergwerksdirektors benannt wurde. 

Nach der Schließung der Zeche haben hier eine Zeit lang Arbeiter einer ansässigen Brikettfabrik gelebt. Bis auch die geschlossen wurde. 

"Ab und zu verirrt sich hier ein Fremder, wenn er sich verfahren hat. Dann wird kurz gewendet und auf der anderen Straßenseite geht es wieder weiter."
Angela Köhn, Einwohnerin von Alwine
Bewohnerin Angela Köhn
© Deutschlandfunk Nova | Dominik Schottner
Angela Köhn über Fremde in Alwine

Der abgelegene Weiler liegt gut zwei Stunden von Berlin entfernt. Für 95.000 Mark kaufte ein Mann das Örtchen im Jahr 2001 zusammen mit seinem Bruder. Der Besitzer verdient heute sein Geld, wie er selbst sagt, mit Zoofachgeschäften. Die Renovierung der heruntergekommenen Häuser würden ihn viel kosten. Einfach abreißen geht nicht, weil die Gebäude unter Bestandsschutz stehen. Neue Häuser hochziehen wäre auch nicht so einfach, weil Alwine als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen ist. 

Erika Kühne und Paul Urbanek, die noch übrig gebliebene Bewohner des Örtchens Alwine.
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Erika Kühne und Paul Urbanek - sie wohnen im Haus Nummer 104 und sind dort die letzten Mieter.
"Aber ich sage auch gleich, wenn das hier jemand kaufen sollte: Uns kriegen die hier nicht raus!"
Angela Köhn, Einwohnerin von Alwine

Alles in allem verursacht das Mini-Dorf für seinen Besitzer mehr Kosten als Nutzen. Deswegen hat der Eigentümer nun beschlossen, das Örtchen zu versteigern. Das Anfangsgebot liegt bei 125.000 Euro. Umgerechnet das doppelte von dem, was der Käufer vor 16 Jahren investiert hat. 

Straßenschild im Ort Alwine
© Deutschlandfunk Nova | Dominik Schottner
Die Straße in Alwine heißt natürlich: Alwine

Ein ganzes Dorf wird versteigert - diese Nachricht hat vor allem bei den Medien Aufmerksamkeit erregt und ein paar Journalisten in den abgelegenen Ort geführt - manche filmen mit Drohnen kurze Videos. Die Bewohner lassen sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Angela Köhn zum Beispiel, die vor einigen Jahren extra nach Alwine gezogen ist, damit ihre acht Kinder hier unbeschwert aufwachsen können. Sie ist entschlossen sich nicht von einem neuen Eigentümer aus ihrem abgelegenen Heimatort vertreiben zu lassen. 

Anmerkung der Redaktion: Das Dorf Alwine ist am 9.12.2017 für 140.000 Euro ersteigert worden - von einem anonymen Bieter.