Genau in eine Woche entscheiden die Briten über den sogenannten Brexit. Wird Großbritannien aus der EU austreten? Welche Nachteile der Austritt für alle hätte, lesen und hören wir seit einigen Wochen. Aber: Welche Vorteile würde das der EU eigentlich bringen?

Klar ist schon, was der Austritt aus der EU die Briten und auch uns andere Europäer kosten würde. Und welche dramatischen Folgen das hätte. Für Großbritannien. Für die EU. Für Deutschland. Wir sind das Leid. Wenn sie gehen wollen, sollen sie gehen. Und wir fangen schon mal an, uns das schönzureden. Es gibt Felder, auf denen wäre die EU möglicherweise weiter, wenn die Briten in Brüssel nicht mit am Tische sitzen würden.

Bitte nicht zu viel Europa

Die Briten sind ja bekannt dafür, dass sie schon mal auf den Brüsseler Tisch hauen und sagen: No. Sie machen zum Beispiel beim Euro nicht mit und auch beim sogenannten Schengenraum wollen sie nicht dabei sein. Wo die Briten die EU daran gehindert haben, voranzukommen, hat uns Almut Möller erzählt, die Leiterin des European Council on Foreign Relations in Berlin. Möller ist klar gegen den Brexit, sagt aber auch: Die Briten zetteln gerne gegenüber anderen Mitgliedsstaaten Grundsatzdebatten an.

"Die Briten haben ein Potenzial, grundsätzliche Fragen aufzuwerfen: Ist die EU überhaupt das richtige Projekt?"

Die EU ist ja eine Union, wo jeder auch bereit sein muss, in Zusammenhalt zu investieren. Es sollte nicht immer nur um Nullsummenspiele gehen, so Möller, im Sinne von: Jeder Kompromiss ist einer, bei dem man verloren hat.

"Das ist der Spirit dieser EU, den die Briten entweder nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollen."
Almut Möller

Das Experiment Europäische Union fiele leichter, glaubt Möller, wenn die Briten - und damit ein großer Störer - nicht mehr dabei wären.

Europäische Armee? Ohne die Briten

Es ist der Traum einiger europäischer Länder, dass Europa eine eigene Armee aufbaut, um sich gemeinsam zu verteidigen. Großbritannien war immer dagegen und blockierte Fortschritte.

"Für die Briten ist die Nato der entscheidende Akteur. Der will man keine Konkurrenz machen."
Almut Möller

Die Briten, sagt Möller, tun sich außerdem generell schwer mit den europäischen Gemeinschaftsinstitutionen, vor allem mit dem Europäischen Parlament.

Die "politische Würde" des Parlaments

Die Briten sagen: Wir sind das Land mit dieser großen Demokratie, mit der großen Geschichte eines Parlaments, so Möller.

"Das Europäische Parlament hat für viele Briten nicht dieselbe politische Würde wie Westminster."
Almut Möller

Den Euro wollen die Briten nicht für sich - trotzdem haben sie aber ein Interesse daran, dass er für die anderen funktioniert. Gleichzeitig tun sie aber nicht sonderlich viel dafür, dass das auch so ist, sagt Möller.

Euro? Nur, wenn es sein muss

Bei der Krise der europäischen Währungsunion der letzten Jahre hätten sich die Briten ganz genau angeschaut, wo sie hilfreich sein wollten und wo nicht. Sie seien es nur in einem kleinen Bereich gewesen, nämlich als es den Iren schlecht ging. Und das hätte damit zu tun gehabt, dass beide Länder wirtschaftlich extrem eng miteinander verbunden sind.