Der Hamburger Streetartkünstler "Brozilla" sprüht seit über 25 Jahren. Seine Leidenschaft gibt er in Workshops weiter - nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Im März war er in Namibia, wo die Graffiti-Szene noch ziemlich am Anfang steht.

Seine "Schüler", wie Brozilla sie nennt, kommen aus den Townships des Landes. Fast ausschließlich Schwarze wohnen dort, in Wellblechhütten. Strom haben sie, Wasser manchmal. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 50 Prozent.

In einem Workshop will der Hamburger Graffiti-Künstler sein Know-how an die 20 jungen Leute weitergeben. Erst einmal braucht jeder natürlich einen Künstlernamen - dann werden Tags, Schriftzüge, später auch Motive oder Schablonen entworfen und gesprüht.

"Wir haben versucht, die Grundtechniken des Graffiti zu erlernen."
Brozilla, Streetart-Künstler aus Hamburg
Schwarze Hände, mit Farbe beschmiert.
© Gerrit Fischer
"Each one teach one" ist Gerrits Motto - sein Wissen will er weiter geben.

Über private Spender in Hamburg hat Brozilla, der eigentlich Gerrit Fischer heißt, seine Reise und das Material finanziert. Unterstützt wurde er auch vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der den Transport der Sprühdosen von Deutschland aus organisierte. Sprühdosen, so erklärt Gerrit, dürfen nämlich nicht mit ins Flugzeug. Die Farben wurden mit dem Container verschickt.

Wenig Graffiti-Kunst in Namibia

Überrascht war Gerrit davon, dass in Namibia Graffiti noch nicht sehr weit verbreitet ist - in vielen anderen afrikanischen Ländern wie Kenia oder dem Senegal jedoch schon. "Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass es einen solchen Ort auf der Welt überhaupt noch gibt", sagt Gerrit.

Schwarze Männer und Frauen vor einer Graffiti-Wand.
© Gerrit Fischer
Gerrits Schülerinnen und Schüler kommen aus den Townships von Namibia.

Mit seinem neuen Team hat Gerrit in Namibia unter anderem eine Grundschule verschönert - ein schwarzer Superheld ziert dort nun eins der Gebäude.

Mit dem Sprühen Geld verdienen

Gerrit ist davon überzeugt, dass aus seiner Gruppe gute Sprayerinnen und Sprayer werden können. Das zeichnerische Talent sei bei einigen sehr gut. Und das Sprühen müsse man einfach üben - mindestens ein halbes Jahr, meint er. Vielleicht könne der eine oder die andere das Hobby dann auch zum Beruf machen, oder über das Sprühen ein bisschen dazu verdienen, mit legalen Auftragsarbeiten.

Ein besprühter Zug.
© Gerrit Fischer
Gerrit hat in Namibia auch einen Zug der Eisenbahngesellschaft Transnamib besprüht - ganz legal natürlich.

Damit es für die Sprayer weitergehen kann, will Gerrit im nächsten Jahr wiederkommen, mit vielen Sprühdosen im Gepäck. Bis dahin sollen seine Schüler üben. Sprühdosen haben sie noch übrig - denn der Container aus Deutschland kam erst mit Verzögerung an.

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