Der Bücherskorpion ist echt nützlich: Er frisst Bücherläuse und schützt so die literarischen Werke vor dem Verfall. Und jetzt wissen wir: Er kämpft außerdem erfolgreich gegen die Varroamilbe, die für das Bienensterben verantwortlich ist.

Die Varroamilben wurden 1977 nach Deutschland eingeschleppt. Der Parasit ist rund ein Millimeter groß und springt zunächst auf den Panzer der Biene. Danach sucht sie sich weichere Hautteile, um sich festzusaugen. Später befällt die Milbe die Bienenlarven und saugt sie aus, sodass sie sich in der Folge nicht mehr richtig entwickeln können. Das Körpergewicht der geschlüpften Bienen liegt dann zehn Prozent unter dem üblichen. Für ein Bienenvolk ist die Varroamilbe ein existenzbedrohender Parasit und eine der Hauptursachen für den "Colony Collapse Disorder" - das Bienenmassensterben.

Torben Schiffer hat die Vorliebe des Bücherskorpions für die Varroamilbe erforscht. Hinweis dazu gab ein Aufsatz des österreichischen Zoologen Max Beier von 1951 mit dem Titel "Der Bücherskorpion, ein willkommener Gast der Bienenvölker". Dabei gehört der Bücherskorpion zu den Pseudoskorpionen und ist der Spinnentierfamilie zuzuordnen, erklärt Tierexperte Mario Ludwig. Er bringt es gerade mal auf vier Millimeter und lebt gerne bei uns zu Hause. Spezialisiert hat sich der Bücherskorpion auf alle Arten von Milben - eben auch auf Bücherläuse. Daher der Name.

Torben Schiffer hat in seinen Untersuchungen festgestellt, dass der rund dreimal so große Bücherskorpion die Varroamilbe mit seinen Scheren packt und aus einer Giftdrüse in der Spitze des Scherenfingers Gift in sein Opfer injiziert. Dann führt er die Milbe zu seinen Mundwerkzeugen und beißt ein Loch in die Körperwand der Milbe. Durch die Öffnung pumpt er eine Verdauungsflüssigkeit in seine Beute, die er dann später aussaugt.

Ein Zuhause für den Bücherskorpion

Damit der Bücherskorpion erfolgreich gegen die Varroamilben in den Bienenstöcken vorgeht, müssen es ihm die Imker ein bisschen gemütlich machen - das heißt nicht, dass sie ihm ein kleines Bücherregal in den Stock stellen. Zum einen mag der Bücherskorpion nicht die Chemiekeulen, die die Imker gegen die Milben einsetzen. Zum anderen fühlt er sich in den funktionalen "Beuten" nicht wohl. Die Beuten sind Kästen, erklärt Mario Ludwig, in denen die Bienen leben. Die moderne Version ist aus glattem Holz oder Styroporwänden. Darin gibt es keine Spalten, kleine Höhlen, Nische oder Rückzugsräume für den Bücherskorpion.

Offene Fragen

Imker, die Bücherskorpione in ihren Stöcken ansiedeln wollen, finden dafür Anleitungen im Netz. Im Grunde müssen sie nur einen kleinen gemütlichen Anbau an der Beute für den Bücherskorpion schaffen. Allerdings sei noch nicht klar, ob die Pheromonbotschaften der Bücherskorpione die der Bienen stören oder ob die Bücherskorpione eventuell andere Erreger oder Viren in den Stock schleppen, sagt Mario Ludwig.

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