Nur Männer in der Führungsriege des Bundesinnenministeriums - festgehalten in einem Bild. Für Teresa Bücker ist das keine Überraschung. Sie wundert sich eher über die Ignoranz, dass die Problematik nicht einmal bemerkt werde.

"Führungsmannschaft des BMI komplett" heißt es in der Überschrift der Pressemeldung des Bundesministeriums ganz knapp. Der Aufreger ist nicht der Text, sondern das Bild. Denn auf dem Foto von Horst Seehofers Team sind ausschließlich Männer zu sehen.

Eigentlich Vorbildcharakter

Bereits in der vergangenen Woche war die Meldung veröffentlicht worden, erst jetzt kochen die Reaktionen im Netz hoch. Mal humorvoll, mal erbost, äußern sich viele über die Zusammenstellung auf dem Foto. Dabei geht es um die Tatsache, dass Posten ganz ohne Frauen besetzt werden. 

Für Teresa Bücker, Chefredakteurin von Edition F, ist das besonders in der Politik problematisch.

"Wir sehen, dass es in der Wirtschaft auch noch relativ starr ist, was Geschlechtervielfalt an der Spitze angeht. Aber ich finde, die Politik ist da einfach in einer anderen Verantwortung."
Teresa Bücker, Editoin F

Ein Problem mit der Vielfalt - das sei gerade in der Politik "bemerkenswert", so Teresa Bücker. Schließlich sei es die Bundesregierung gewesen, die, angestoßen durch die Europäische Union (EU), die Frauenquote für Aufsichtsräte durchgesetzt habe. "Da sollte eigentlich die Politik auf Bundesebene und der öffentliche Dienst einen Vorbildcharakter haben." 

"Ich finde das, was das Heimatministerium nach außen trägt, ist wirklich Ignoranz. Und das ist von vorgestern."
Teresa Bücker, Edition F

Dass ein CSU-Ministerium besonders ins Auge fällt, ist für Teresa Bücker dagegen nicht überraschend. "Wenn man sich anguckt, wie die CSU schon lange Führungsgremien besetzt, dann ist das eigentlich genau auf Linie. Sie hat ja auch drei männliche Minister abgesandt und keine Frau war darunter." Auch im Wirtschafts- und Verkehrsministerium zeigt sich ein ähnliches Verhältnis in der Führungsriege.

Ahnungslos?

Bemerkenswert an der Geschichte um das Foto der reinen Männermannschaft ist für sie etwas anderes: Es gebe kein Bewusstsein für diese Problematik. Möglicherweise sei bei Seehofers Team gar nicht angekommen, welche Signalwirkung Vielfalt habe. Ganz anders als in der Bevölkerung: "Die Öffentlichkeit ist dafür sensibilisiert, sonst wäre die Reaktionen seit gestern nicht so heftig gewesen," sagt Teresa Bücker.

Wird nach dem Ärger im Netz jetzt alles anders? Teresa Bücker ist glaubt nicht an einen plötzlichen Umschwung. "Social-Media-Shitstorms sind aus meiner Sicht überschätzt." Die Aufregung zeige aber, dass so etwas registriert werde, sagt sie.

"Das beobachtet man ja ganz häufig in solchen Männernetzwerken, die auch in der Politik zu finden sind: Die merken überhaupt nicht, dass sie einen großen Teil der Bevölkerung vergessen haben. Das ist das Traurige."
Teresa Bücker, Edition F

In der Konsequenz würden vermutlich keine Personalentscheidungen zurückgezogen, schätzt die Journalistin. Möglich sei aber, dass die Öffentlichkeit in Zukunft noch schärfer auf Personalien in Spitzenämtern schaue. Für sie ist auch eine verbindliche Quote in Bundesministerien hier eine Option.

Dabei will Teresa Bücker ein oft gehörtes Argument gegen die Frauenquote nicht gelten lassen: Das alles sei doch nicht so wichtig - es werde doch ohnehin nur nach Qualifikationen besetzt. Für sie ist klar: "Wenn man schaut, wer wirklich geeignet ist, wer etwas kann, dann müssten auch Frauen darunter sein."