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Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje analysiert den Wahlkampf der Parteien. Seiner Meinung nach habe die SPD aus den Fehlern der anderen Parteien lernen können. Allerdings geht er auch davon aus, dass am Wahlabend viel über die Verluste der Parteien diskutiert werden wird.

Der Countdown läuft. Am nächsten Sonntag wählen Bürgerinnen und Bürger einen neuen Bundestag. Fest steht, dass Angela Merkel nach 16 Jahren nicht mehr die Regierungsvorsitzende sein wird. Welche Kandidatin oder welcher Kandidat auf Merkel folgt, ist offen. In Umfragen liegen Annalena Baerbock (die Grünen), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (Union) dicht beieinander. Folgende Bündnisse kommen in Wahlumfragen aktuell auf eine Mehrheit:

  • Rot-Schwarz-Gelb (Deutschland-Koalition)
  • Rot-Schwarz-Grün (Kenia-Koalition) sowie
  • Große Koalition
  • Ampel Koalition (Rot-Gelb-Grün/Rot-Grün-Gelb)

Keine Partei außer der AfD schließt Bündnis kategorisch aus

Interessant ist, dass – bis auf die AfD – keine der im Bundestag vertretenen Parteien Koalitionsbündnisse kategorisch ausschließt. Wenn es rechnerisch möglich wird, sind auch Koalitionen aus CDU und Grünen (Schwarz-Grün) sowie SPD, Linke und Grüne (Rot-Rot-Grün) möglich. Da sich seit Beginn des Wahlkampfs die Umfragewerte immer wieder änderten, müssen sich Wählerinnen und Wähler noch ein bisschen gedulden.

Johannes Hillje ist Politik- und Kommunikationsberater. Er hat den Wahlkampf verfolgt und erklärt, dass Wahlen öfter verloren als gewonnen werden. Dass die SPD aufholen konnte liegt nach seiner Einschätzung daran, dass sie von den Fehlern der anderen Parteien profitiert hat. Aber es sei auch eine Leistung, im Wahlkampf keine eigenen Fehler zu machen.

"Die SPD hat die Stärke ihres eigenen Kandidaten ausgespielt. Olaf Scholz war schon vor seiner Kanzlerkandidatur parteiübergreifend recht beliebt."
Johannes Hillje, Politik- und Kommunikationsberater

Dass es die Partei geschafft hat, Olaf Scholz in die Position zu bringen, für das Kanzleramt infrage zu kommen, sei eine anerkennungswürdige Leistung, sagt Johannes Hillje. Die Umfragewerte haben sich zum Ende des Wahlkampfs stark verändert. Johannes Hillje erklärt, es liegt daran, dass sich Wahlberechtigte erst ab Juli Gedanken darüber gemacht haben, wer nach Angela Merkel das Land regieren soll. Im Spätsommer sei Wählerinnen und Wählern klargeworden, dass Olaf Scholz viele der Eigenschaften erfüllt, die man an Angela Merkel schätzt. Und dass Scholz deswegen ein passabler Nachfolger sein könnte, sagt Politikberater Johannes Hillje..

Fehler im Wahlkampf

Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje erklärt, dass sich Grüne und CDU einige Fehler im Wahlkampf erlaubt haben. "Aber ich glaube schon, dass die SPD irgendwann nach oben gezogen wären. Weil eben die Beliebtheitswerte der Kandidierenden stark für Olaf Scholz sprechen, dass sich auf jeden Fall etwas verändert hätte Richtung Wahltag", sagt er.

"Selbst wenn die anderen Kampagnen keine Fehler gemacht hätten, wäre das Rennen möglicherweise enger gewesen."
Johannes Hillje, Politik- und Kommunikationsberater

Johannes Hillje vertritt die Meinung, dass die Performance des Personals in diesem Wahlkampf wichtiger war als die Positionen der Parteien. Der Politikberater erklärt, dass ein guter Wahlkampf aus drei Faktoren besteht: Candidate, Campaign und Cause. Die Grünen hätten es etwa – abgesehen von den Fehlern ihrer Kandidatin – nicht geschafft, das Thema "Klima" auf die öffentliche Agenda zu setzen, sodass alle Wählenden, für die der Klimaschutz das entscheidende Thema ist, ihre Stimme bewusst bei Grün machen. Stattdessen war der Wahlkampf von anderen Debatten geprägt.

"Die Grünen haben sich in diesem Wahlkampf oft in Verteidigungsdebatten wiedergefunden. Sie haben es nicht geschafft mit ihrer eigenen Erzählung durchzudringen."
Johannes Hillje, Politik- und Kommunikationsberater

Johannes Hillje erklärt, dass die Grünen nicht klargemacht haben, wie die Gesellschaft über das Thema Klimaschutz redet. Die Grünen konnten nicht vermitteln, welche Fragen zu dem Thema gestellt werden müssen. Andererseits torpedierten auch die Medien den Wahlkampf der Grünen. "Es ging oftmals in einem Framing um 'das Portemonnaie des Bürgers'. Es ging viel zu wenig um das CO²-Budget bei der Klimadebatte, könnte man sagen", fasst Johannes Hije den Wahlkampf der Grünen zusammen.

Die eigentlichen Gewinner und Verlierer der Wahl

Johannes Hillje geht davon aus, dass die aktuellen Umfragen das Wahlergebnis widerspiegeln. Am Wahlabend sollte man nicht den psychologischen Effekt des zweiten Balkendiagramms, das im Fernsehen gezeigt wird, unterschätzen. Dort sind die prognostizierten Gewinne und Verluste der Parteien zu sehen. Diese Grafik zeigt ein eindeutiges Bild über die Gewinner und Verlierer dieser Wahl, sagt Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje. Die starken Verluste von CSU und CDU werden die eigentliche Story des Abends sein.