Neue Sneaker wären schön oder eine neues Smartphone – aber euch fehlt dafür eigentlich die Kohle? Da ist es sehr verlockend, einfach trotzdem zu bestellen und später zu zahlen. In zwei Wochen oder vielleicht sogar erst in einem Monat. "Buy now, pay later" heißt das Prinzip und boomt total.

Später bezahlen – das Prinzip ist nicht neu, sagt unser Reporter Nico Rau: "Das haben die großen Versandhändler Otto und Quelle erfunden, mit ihren dicken analogen Katalogen." Auch damals konnten Kundinnen und Kunden sich die Waren erst schicken lassen und später dann per Rechnung begleichen. Auch der Kauf auf Raten wird sowohl im Netz als auch in großen Warenhäusern angeboten – zum Beispiel für den Kauf eines Fernsehers oder einer Waschmaschine.

Später bezahlen auf Rechnung und in Raten

Zahlungsdienstleister wie Klarna oder Paypal ermöglichen das spätere Bezahlen bei Online-Bestellungen. Manchmal sogar mit einer verlängerten Zahlungsfrist von 60 Tagen. Für die zahlt man dann eine kleine Gebühr, erklärt Nico Rau. Die meisten Menschen nutzen übrigens derzeit Paypal als Bezahldienst, danach folgt Klarna und auf dem dritten Platz liegt Amazon Pay.

"Die Dienstleister bieten – wie der klassische Handel vor Ort – auch einen Ratenkauf an, also eine Finanzierung inklusive Zinsen. Dann kann ich meine Zahlung sogar über zwei Jahre strecken."
Nico Rau, Deutschlandfunk Nova

In Deutschland wird mittlerweile jede fünfte Online-Bestellung über "Buy now, pay later" (BNPL) abgewickelt, vor allem junge Käufergruppen nutzen diese Option. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das Bezahlprinzip bei uns und bei den Schweden am weitesten verbreitet. "In der Fintech-Branche gilt BNPL als der Megatrend, weltweit wächst die Zahl der Nutzer angeblich um rund 30 Prozent pro Jahr", sagt unser Reporter.

Erst die Ware, dann die Kohle

Viele Menschen finden es besser, erst dann zu bezahlen, wenn sie ihr Produkt wirklich in den Händen halten. Das ist ein Grund, warum die Branche boomt. Und das zeigt sich in Zahlen: Das Unternehmen Klarna ist im vergangenen Jahr sozusagen durch die Decke gegangen. Der Börsenwert hat sich verachtfacht und liegt inzwischen bei 50 Millionen Euro.

Allerdings hat das Ganze auch eine Kehrseite. Beim Online-Einkauf sinkt die Hemmschwelle, wenn das neue Produkt nur einen Klick entfernt ist – und wenn man ja erst später zahlt. Auf TikTok thematisieren etliche Userinnen und User, wie sie auf Pump einkaufen. Nico Rau sagt: "Die feiern das richtiggehend ab, wer die meisten Schulden hat. Oder nach dem Motto: Haha, mit einem Klick verlängere ich einfach den Bezahl-Zeitraum." Die Verbraucherzentralen habe allerdings keine aktuellen Daten, die bestätigen, dass viele Menschen so in die Schulden geraten.

"Da sieht man, wie naiv manche damit umgehen."
Nico Rau, Deutschlandfunk Nova

Die Anbieter prüfen beim Einkauf, ob jemand kreditwürdig ist oder nicht. Klarna kontrolliert etwa die vorherige Einkaufsvergangenheit von Kunden und checkt, ob es da Unregelmäßigkeiten gab. Oder sie holen Auskunft von der Schufa ein. Wenn eine Kundin oder ein Kunde als nicht kreditwürdig gilt, werde die entsprechende Bezahloption gar nicht erst angezeigt.

Bezahldienste unter kritischer Beobachtung

Die Zahlungsdienstleister Paypal und Klarna haben ihren Firmensitz nicht in Deutschland, sondern in Luxemburg, beziehungsweise in Schweden. Sie werden deswegen auch nicht von deutschen Finanzaufsichtsbehörden kontrolliert, ob sie ihre Kreditgeschäfte ordentlich abwickeln.

"Trotzdem beobachtet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) diese Anbieter bereits, weil sie auch eine Gefahr sehen, dass sich Menschen auf diese Weise schneller verschulden", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau.